Keiner hat es gemerkt, und doch sind die Zeichen untrüglich. In Washington gab es einen stillen Putsch. Die Juristen sind an der Macht.

Beweise? Sonderermittler Kenneth Starr redet mit dem Präsidenten, wann er will. Der Anwalt David Kendall ist zu Clintons Alter ego geworden.

Heerscharen von Juristen stehen den Mitarbeitern des Weißen Hauses zur Seite.

Die Republikaner streiten mehr mit der Justizministerin Janet Reno als mit den Demokraten. Und als ob das noch nicht genug der Juristerei wäre, bekam nun selbst Anwalt Kenneth Starr eine Vorladung: Ein Richter untersucht seine Untersuchungsmethoden. Ob auch ihm bald ein Jurist im Nacken sitzt?

Noch harrt der Präsident aus, hofft vergeblich darauf, daß jemand mit ihm über seine Gesundheitsreform oder die Tabaksteuer redet oder ihn gar für den riesigen Haushaltsüberschuß lobt. Doch das Parlament ist schon weg, Senatoren und Abgeordnete verschwunden, angeblich nach Hause oder in die Sommerfrische.

Nur Touristen streifen noch durchs Kapitol. Die Politik hat frei, und keiner merkt's. Die Spürhunde der Macht, die Reporter und Kommentatoren, sind längst weitergezogen, nach "Monica's Beach", dem Grünstreifen vor dem Washingtoner Gerichtsgebäude. Am Montag wird dort Kenneth Starr den Präsidenten befragen.

Der wird dann im Weißen Haus in eine Videokamera antworten - über die mögliche Affäre mit Praktikantin Monica Lewinsky. Danach darf auch Clinton auf eine Insel flüchten, sein Urlaubsdomizil Martha's Vineyard. Und macht als letzter die Bühne frei - für Kenneth Starr und die anderen Juristen.