Angst vorm Fliegen. Wir erinnern uns. Ewig her, daß dieses Buch die Gemüter erregte. Damals mußte etwas derart Anstößiges ja direkt unter der Bettdecke gelesen werden. Und das Ergebnis? Wer bis dato noch nie ein Flugzeug von innen gesehen hatte, bildete sich nach der Lektüre prompt ein, daß es über den Wolken ziemlich hoch herging.

Jetzt weiß man es natürlich besser und sieht das Flugzeug längst als das, was es ist: ein schlichtes Verkehrsmittel. Manch einer freilich scheint genau diesen Begriff etwas zu wörtlich zu nehmen. So soll es jüngsten Gerüchten zufolge vorgekommen sein, daß Passagiere, allen anderen Zerstreuungsangeboten zum Trotz, unterwegs eine Art paarweiser, sagen wir, Luftnummer inszeniert haben, und zwar sehr zum Mißfallen der unfreiwilligen Zuschauergemeinde.

Wahrhaftig ein Grund zur Empörung, diese "Schäferstündchen an Bord", wie ein touristischer Pressedienst unlängst meldete. Sie beschäftigten "zunehmend die Airline-Branche", denn "immer dreister" benähmen sich manche Fluggäste, immer inniger seien die Pärchen "zugange". Auch wenn der in die Jahre gekommene Leser sich sehnsuchtsvoll gewisser Textabschnitte in obengenanntem Roman erinnert: Klappen wir ihn zu und wenden uns praktischen Erwägungen zu. Wie, um Eros' willen, soll denn das funktionieren auf einem dermaßen engen Raum?

Von wegen "Love is in the Air" auf jenen handtuchschmalen Sitzen, die einem ohne Anzuecken nicht mal das Umblättern einer Illustriertenseite ermöglichen.

Es sei hier jedoch freimütig eingeräumt, daß, was das Thema Sex im Jet betrifft, unsere Phantasie mittlerweile etwa genauso beschränkt ist wie die Beinfreiheit in der Touristenklasse. Der jüngere Mensch aber, zweifellos gelenkiger und abgebrühter als wir und offenbar kaum zu bremsen? Kein Problem für ihn, so hört man, die dem Fliegen hartnäckig nachgesagte erotisierende Wirkung sogleich für seine hormonellen Bedürfnisse zu nutzen.

Das Flugzeug - eine Beziehungskiste? Unbedingt, wie selbst der britische Airline-Besitzer Richard Branson findet. Der Mann hat ein Herz für die Triebe und läßt seine Überseeflotte demnächst mit Séparées ausstatten, welche dank Doppelbett und Jacuzzi über die wünschenswerte Bequemlichkeit verfügen und daher auch betagteren Interessenten offenstehen.

Für letztere ein dringender Hinweis: Die Gesellschaft heißt Virgin, nicht Viagra.