Sein Koffer war schon gepackt, als den sozialdemokratischen Europaparlamentsabgeordneten Dietrich Elchlepp im Brüsseler Büro eine Hiobsbotschaft erreichte. Die Finanzminister der Europäischen Union (EU) hatten beschlossen, die von der Kommission vorgeschlagenen Fördermittel für die zweite Runde der gemeinschaftlichen Berufsbildungsinitiative Leonardo da Vinci im ersten Jahr gleich um zwei Drittel zu kürzen.

Für Europas Bildungspolitiker ist dieser Beschluß um so unverständlicher, als noch auf dem Gipfel von Cardiff Mitte Juni dieses Jahres der "integrationsstiftende Charakter des europäischen Berufsaustausches" mit Nachdruck hervorgehoben wurde.

1994 hatte die Europäische Kommission die ins Uferlose angewachsenen Einzelinitiativen schließlich zusammengefaßt und die Großprogramme Sokrates (für Schule und Hochschule) sowie Leonardo da Vinci (für die Berufsbildung) geschaffen.

Auf fünf Jahre angelegt, laufen sie 1999 aus, die nächste Runde soll sieben Jahre dauern. Dafür schlägt die Kommission eine Verdoppelung der Fördermittel von bisher knapp zwei auf etwa vier Milliarden Mark vor.

Wieviel Geld die beiden Initiativen tatsächlich erhalten, soll jedoch erst im September entschieden werden. Auf den großen Geldsegen wird man jedoch auch dann vergeblich hoffen. Bisher war der Gemeinschaft die gemeinsame Bildung nicht einmal ein halbes Prozent ihres Budgets in Höhe von inzwischen 160 Milliarden Mark wert. Über die Hälfte davon schluckt die gemeinsame Agrarpolitik.

Allerdings erschöpft sich die Diskussion diesmal längst nicht mehr nur in der leidigen Finanzierungsfrage. Brüssels Superprogramme sind nämlich nicht nur unterfinanziert, sondern auch dringend reformbedürftig. Schon in der Startphase 1994 hatte sich gezeigt, daß sie viel zu kompliziert aufgebaut wurden. Den Programmschmieden war es nicht gelungen, benutzerfreundliche und allgemein verständliche Initiativen zustande zu bringen. Peinliche Pannen und viel zu spät überwiesene Förderbeiträge stellten zudem die Geduld der Teilnehmer auf eine harte Probe.

Statt klar formulierter Kerngedanken, so zeigte sich bald, hatten die Programmgestalter eine unübersichtliche Vielfalt an Einzelzielen vorgegeben. So geraten nun die empfohlenen Schwerpunkte und die entsprechenden methodischen Ansätze - allen Regeln der Logik zum Hohn - fortwährend durcheinander.