Als das das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vor zwei Jahren Hindi- und Urdu-Spezialisten an deutschen Universitäten suchte, da kam Udo Wagners große Stunde. Den heute 32jährigen verschlug es als Übersetzer nach Kaschmir. Seit drei Monaten ist der gebürtige Leipziger als Delegierter in Sierra Leone stationiert, wo er regelmäßig Gefangene besucht.

Idealismus, Abenteuerlust, die Hoffnung, seltene Sprachkenntnisse praktisch umsetzen zu können und der Wunsch, andere Länder kennenzulernen, bewogen ihn, sich bei der traditionsreichen Genfer Hilfsorganisation zu bewerben. "Ich bin sehr zufrieden", sagt er heute, trotz einiger Schwierigkeiten im Alltag: "In Indien, wo dieselben sechs Leute rund um die Uhr zusammen waren, gab es Lagerkoller. Hier in Freetown, wo wir in verschiedenen Häusern verteilt leben, ist die Situation besser."

Gefragt sind belastbare, reife Persönlichkeiten. "Wir wollen keine Rambo-Typen, Träumer oder Leute, die nichts vertragen", sagt René Böckli vom Service duRecrutement. Ein Hochschulabschluß ist zwar die Regel, aber keinesfalls Bedingung. "Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung sind uns wichtiger als Titel." Der 41jährige Schweizer hatte selber eine untypische Karriere als Mechaniker, Sozialarbeiter und Familientherapeut hinter sich, bevor er sich meldete.

Ein Schweizer Paß ist seit drei Jahren nicht mehr nötig, rund ein Drittel der "Manager der Menschenrechte" stammt inzwischen aus dem angelsächsischen, skandinavischen und deutschen Raum. Idealerweise sind die Kandidaten 25 bis 35 Jahre alt. Ledige werden bevorzugt, da Familienzusammenführungen in Konflikt- und Bürgerkriegsgebieten äußerst schwierig sind. Interessierte müssen sich fließend in Englisch und Französisch ausdrücken können. Besonders gesucht sind derzeit Urdu-, Hindi-, Farsi- und Albanischkundige.

Wer für den anspruchsvollen Job mit einem Anfangsgehalt von 4500 bis 5500 Schweizer Franken - die Summe richtet sich nach der vorherigen Tätigkeit und dem Alter - in Frage kommt, durchläuft in Genf ein Prüfungsprozedere mit Rollenspielen und Einzelgesprächen, wo Kreativität, Team-, Kommunikations-, Führungs- und Analysefähigkeit unter Zeitdruck, psychische Belastbarkeit in Streßsituationen sowie Sprachkenntnisse getestet werden.

Neulinge werden nach Afghanistan geschickt

Die Vorbereitung auf den ersten Auslandseinsatz dauert einen Monat. Böckli erklärt, worauf es bei der Kandidatenwahl ankommt: "In der Einführungsphase beobachten wir die Anwärter sehr genau, um herauszufinden, welches für sie der ideale Posten ist." Flexibilität wird ebenso als selbstverständlich vorausgesetzt wie eine gehörige Portion Unerschrockenheit: Afghanistan, Ruanda und Kolumbien sind typische Erstmissionen für die Neu