Haare bis zum Po und Homer im Herzen. Mit dem königlichen Countrygirl und ihrem Coiffeusengesicht, das heuer vor einem Jahr den Tod im Tunnel zu Paris "gewaltsam, plötzlich, unerwartet traf", wie der Spiegel in dieser Woche überraschend meldet, nein, mit dieser Kurzhaar-Ikone der Angestelltenkultur, mit dieser blondierten Bohnenstange, dieser Heroine der Banalität, diesem toten Beweis dafür, daß der kleine Geist in allem und jedem und selbst in seinen kühnsten Träumen nichts als sich selbst verehrt, will sagen, mit der Mittelstandsprinzessin Diana hat Kaiserin Elisabeth wirklich nichts zu tun.

Beide sind tot, das haben sie mit vielen anderen gemeinsam. Beide waren unglücklich verheiratet, auch das ist eher die Regel als die Ausnahme. Beide interessierten sich überproportional für ihren Taillenumfang, ein Schicksal, das sie mit Millionen Frauen jenseits von Afrika teilen. Doch was der einen die Strumpfhosen von Versace, waren der anderen die Versfüße von Heinrich Heine. Und das ist, was immer der Spiegel schnulzt von Schwesternschaft im Schmerze, der Unterschied ums Ganze. Die NordseeLieder der Kaiserin, ihre Poeme über den Nebel und die Seele, den Staub und die Liebe, das Morgengrauen und die einsamen Pfade, die grauen Haare und die bittren Zähren heben sie über das durchschnittliche Prinzessinnengelichter der Nachkriegszeit, über all die schönen Gespielinnen der jungen Männer mit den starken Armen und den schnöden Turnlehrervisagen kilometerweit hinaus.

So kommt es, daß die Kluft zwischen den beiden verstorbenen Hoheiten in etwa der zwischen einem Vierergespann und einem Mercedes entspricht. Und eine Kluft, hat die Kaiserin einmal gesagt, "bleibt immer eine Kluft. Sowie wir sie überschreiten wollen, stürzen wir ab und zertrümmern." Auch dies wieder ein Satz von alteuropäischer Grazie, dazu angetan, uns die Zähren in die Augen zu treiben. Was ist nur aus unseren Königen geworden? In welchem tiefen Tunnel wird das alles noch enden? Was tun, wenn selbst unsere teuersten Toten nicht mehr sind, was sie mal waren?