Nun ist also der Professor der Dumme. Die Kartoffeln, die er an Ratten verfütterte, sollen gar nicht gentechnisch verändert gewesen sein. Arpad Pusztai war bisher ein international angesehener Biologe am staatlich geförderten Rowett Institute in Aberdeen, das die Risiken gentechnisch veränderter Lebensmittel untersucht. Ihm wird jetzt vorgeworfen, er habe die Ergebnisse zweier Experimente miteinander verwechselt. Wenige Tage nach seiner öffentlichen Mitteilung, daß schädlingsresistente Kartoffeln das Immunsystem von Ratten schwächten und er selbst auf keinen Fall genmanipulierte Nahrung essen wolle, mußte der Professor seinen Hut nehmen. Nun sollen nicht die Genfrüchte einer Prüfung unterzogen werden, wie er gefordert hatte, sondern seine Daten.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht - sie wirft ein schlechtes Licht sowohl auf die Wissenschaft wie auf die Industrie. Beide haben ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit nicht ernst genug genommen. Den Schaden hat der Verbraucher: Er weiß längst nicht mehr, wem er glauben soll. Hat Pusztai tatsächlich die Daten verwechselt, wäre das unverzeihlich - von Wissenschaftlern darf erwartet werden, daß sie ihre Ergebnisse vor der Veröffentlichung überprüfen, gerade in einem so sensiblen Bereich wie der Gentechnik. Doch auch die Industrie hat keinen Grund zu frohlocken. Ein noch größerer Skandal wäre es nämlich, wenn der Professor hätte gehen müssen, weil seine Resultate nicht ins Konzept der Hersteller passen.

Selbst wenn das stimmt: Warum werden überhaupt Versuche angestellt, von denen man schon vorher weiß, daß sie gefährlich sind? Hier bleibt die Industrie eine Antwort schuldig. Sie glaubt, daß die Forschung im Labor die Öffentlichkeit nichts angeht - und facht mit dieser Heimlichtuerei das öffentliche Mißtrauen jedesmal aufs neue an. So müssen sich Wissenschaft und Wirtschaft nicht wundern, daß die Gentechnik gerade in Deutschland von den Verbrauchern nur sehr zögerlich akzeptiert wird.