Ich bin aus Feigheit zur Unterhaltung gegangen. Ich wollte mein Kind ernähren. Es war kurz nach dem Krieg. Wir hatten kein Bad. Meine Tochter mußte in einem Koffer schlafen. Das war sehr lustig. Ich war Schauspieler, hatte schon den Orest gespielt, den Ferdinand in ,Kabale und Liebe', auch selbst inszeniert. Nebenbei habe ich im Rundfunk Romane gelesen. Die Sendung hieß ,Das lebendige Buch'. Im gleichen Programm gab es ein Quiz, ,Doppelt oder nichts', und als der Quizmaster ausfiel, sagte jemand, er kenne so einen Garderobenkomiker, der könnte das vielleicht übernehmen. Darauf hat mich der Rundfunkintendant zu sich kommen lassen und gefragt, ob ich es einmal probieren wolle. Mich hat das überhaupt nicht interessiert. Aber ich fürchtete, wenn ich so unhöflich wäre, das Angebot abzulehnen, würde man mir auch die Lesungen streichen. Ich hatte Angst um meine achtzig Mark. So nahm das Unheil seinen Lauf, oder das Heil."

"Ich weiß, wie schwer es ist, Fernsehen zu machen. Was mich schmerzt, ist, daß der Anspruch, mit dem wir angetreten sind, ich war ja von Beginn an dabei, ein viel höherer war als der jener Leute, die heute das Sagen haben. Ich glaube, daß das Fernsehen in den letzten vierzig Jahren das Verhalten der Menschen maßgeblich beeinflußt hat. Wäre man einen anderen Weg gegangen, hätte man sie positiv beeinflussen können."

"Ich bin kein hoffnungsvoller Mensch. Ich könnte mir denken, daß der Mensch auf die Erde gekommen ist, um sie irgendwann zu vernichten, nicht mit der Absicht, sondern weil sein Naturell es verlangt. Er will immer mehr haben, alles vergrößern, verbessern, ewiges Wachstum. Dadurch bringt er sich und alles andere um. Der Mensch will sich ausbreiten. Er will besitzen. Was einer hat, müssen alle haben."

"Mein Oppositionsgeist war schon immer stark ausgeprägt. Dazu kommen meine Schwatzhaftigkeit und ein fanatischer Freiheitswille. Das sind meine Haupteigenschaften."

Hans-Joachim Kulenkampff, geboren 1921 in Bremen, begann als Schauspieler im Theater. Später wurde er Quizmaster beim Fernsehen und moderierte die Sendung "Einer wird gewinnen". Kulenkampff starb vergangenen Freitag im Alter von 77 Jahren.

Die Zitate sind Auszüge aus einem ZEIT-Gespräch mit André Müller von 1992