Berlin

Die neuen Bundesländer haben ein neues Problem: Hunde, genauer gesagt, Kampfhunde. Prägten in der DDR vornehmlich Frauen mit kleinen Kindern das Straßenbild, so sind es heute in Ostdeutschland junge Männer mit großen, kräftigen, bissigen Hunden. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Es wird verhütet, abgetrieben und "aufgerüstet". Und die Bürger wundern sich nur noch.

In letzter Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Schreckensmeldung über einen Hundebiß auf den Titelseiten der Zeitungen erscheint. Schlimme Photos, die das Leiden der Opfer nur erahnen lassen, fordern Einhalt. Wenn der Staat, die Justiz und die Polizei schon nicht in der Lage sind, uns wirkungsvoll gegen Übergriffe von Menschen zu schützen, sollten sie uns zumindest vor Tierbissen bewahren. Aber zu allem Überfluß gesteht beispielsweise die Berliner Polizei jetzt auch noch ein, daß ihre Waffen nicht geeignet seien, um Kampfhunde kampfunfähig zu machen.

Politiker, heißt es, hätten einen "Regelungsbedarf" erkannt. In einigen ostdeutschen Großstädten wird bereits eine Kampfhundesteuer erhoben, ganz nach dem Motto "Hohe Steuern, weniger Hunde, mehr Sicherheit". Doch bisher hat sie keine sichtbaren Erfolge erbracht. In Berlin arbeitet die Gesundheitssenatorin seit anderthalb Jahren "fieberhaft" an einer Kampfhundeverordnung. In Brandenburg sah man sich wegen der vielen Zwischenfälle gezwungen, die seit fünf Jahren bestehende Hundehalterordnung zu novellieren

dort gelten nun die strengsten rechtlichen Anforderungen an das Halten, Züchten und Ausbilden von gefährlichen Hunden in Deutschland.

Der Feind ist erkannt, die gefährlichen Hunderassen sind benannt. Die Hundehalter werden ab sofort stärker in die Pflicht genommen, Sanktionen verschärft, und auch die Einziehung eines aggressiven Kampfhundes wird leichter möglich sein. In Brandenburg wird sogar ein sogenannter Hundeführerschein die deutsche Bürokratie bereichern. Alle rechtlichen Voraussetzungen scheinen - zumindest dort - geschaffen, um Un- und Überfälle durch Hunde zu reduzieren.

Doch das beste Recht taugt wenig, wenn es nicht auch durchgesetzt wird. Und hier scheint der Hund tatsächlich begraben zu sein. Das Sanktionspotential wurde erarbeitet, nur an der Sanktionspotenz fehlt es offenbar. Verordnungen werden weder Hunde noch Halter zur Ordnung rufen, solange die Behörden nicht gleichzeitig scharf gegen Züchter, Händler und eben unverantwortliche Hundebesitzer vorgehen.