Es ist unmöglich. In der Schweiz kann man dieses Gebäude gar nicht bauen.

Und trotzdem steht es. An diesem Dienstag kamen die Politgrößen und am Mittwoch die Berliner Philharmoniker. Eingeweiht wurde ein Konzertsaal, der die erste Etappe eines Kultur- und Kongreßzentrums am See bildet. Doch nichts daran ist eidgenössisch gewöhnlich, nichts landläufiger Kompromiß, nichts mittelmäßig. In Luzern entstand ein Weltgebäude.

Das Unmögliche hat vier Helden. Den Altstadtpräsidenten Franz Kurzmeyer. Er hat den politischen Weg gebahnt. Den Projektmanager Thomas Held. Er hat den Bau durchgesetzt. Den Akustikingenieur Russell Johnson. Er hat das Instrument gebaut. Und den Architekten Jean Nouvel. Er hat das Wunder erfunden. Und wie im Märchen gab es drei Prüfungen: Suche den Sponsorenschatz, gewinne die Volksabstimmung, und garantiere die Qualität. Die beiden ersten Hürden haben die Helden bravourös geschafft, die dritte steht jetzt zur Diskussion.

Die Internationalen Musikfestwochen sind der Seinsgrund des Projekts und das touristische Aushängeschild Luzerns. Darum hat die Qualität zuallererst einen musikalischen Namen: Stradivari, einen Konzertsaal wie eine Stradivari wollten die Luzerner. Alles unter dem Maximum ist nichts. Ein guter Saal ist schlecht. Dafür hat man an nichts gespart.

Und was ist mit der architektonischen Qualität? Auch sie hat einen Namen: Jean Nouvel aus Paris. Er hatte den internationalen Wettbewerb von 1990 gewonnen, ein Schiffsheck im See. Sein zweites Projekt heißt das Dach!. Unter einem riesigen, 45 Meter auskragenden Dach faßte Nouvel die drei Programmteile zusammen: einen Konzertsaal mit 1900 Plätzen, einen Mehrzwecksaal mit 900 und das Luzerner Kunstmuseum. Dazu kommen noch Restaurants und Kongreßeinrichtungen. Alles klug organisiert und von Funktionslogik regiert.

Das Dach!. Eine waagerechte Silberklinge schneidet Bedeutung aus der Landschaft. Hier geschieht's. Am Trichter zur Altstadt setzt das Dach! einen neuen Maßstab. Luzern ist verändert, die Landschaft hat als neuen Drehpunkt die Kulturwerft.

Unter dem Dach!. Ein Ereignisbauplatz, immer sich verwandelnd, glitzernd, spiegelnd, flimmernd, nicht festzuhalten, mehrdeutig. Nie sieht es aus wie damals. Ist es ein Gebäude? Es ist ein gebautes Versprechen. Hier wirst du anders sein, flüstert es, komm, laß dich verzaubern.