Es ist eine ungeheure Anmaßung, wenn Ärzte, Theologen und Juristen darüber entscheiden wollen, wann und wie ich sterben darf. Diese letzte und wohl auch schwerwiegendste Entscheidung in meinem Leben möchte ich mir schon selbst vorbehalten, gegebenenfalls nach einem ernsten Gespräch mit einem Arzt meines Vertrauens und mit meiner Familie. Diese Entscheidung kann in Form einer Patientenverfügung auch getroffen werden, bevor man sich nicht mehr artikulieren kann. Von einem Arzt, dessen Mitgefühl mit einem leidenden Menschen größer ist als die Angst vor möglichen juristischen Folgen, erwarte ich, daß er mir notfalls auch aktive Sterbehilfe leistet. Die Selbstbestimmung des Menschen über einen würdigen Tod ist ein höheres Rechtsgut als juristische Spitzfindigkeiten und theologische Konstruktionen.

Übrigens: Warum soll das Tötungsverbot nur für den Arzt gelten, der einen Todkranken von seinen Schmerzen erlöst, und zum Beispiel nicht für einen Soldaten, der im Krieg einen anderen erschießt?

Peter Dodel Rhodt

Das Frankfurter Urteil, so gut es auch gemeint sein mag, stellt eine massive Bedrohung des Lebensrechts unzähliger schwerkranker, alter und behinderter Menschen in unserem Land dar, gerade auch angesichts eines vermehrten Kosten-Nutzen-Denkens! Und auch dieses Urteil versucht nur, "die Symptome zu bekämpfen", nicht aber der Ursache entgegenzuwirken. Die Ursache finden wir in der Verdrängung von Alter, Krankheit, Leid und Tod. Sie hat dazu geführt, daß die Bundesrepublik bei Sterbebegleitung, der Betreuung Angehöriger und Trauernder und der Anwendung hochwirksamer Schmerztherapien immer noch auf dem Stand eines Entwicklungslandes ist. Hier gilt es anzusetzen.

Renate Wiedemann Deutsche Hospizhilfe e. V. Buchholz

Ein Mensch, der mit wachen Sinnen verfolgt, was im moderen Medizinbetrieb abläuft und der seine Objektrolle im Krankheitsfall minimieren möchte, sollte sicher sein dürfen, daß sein geäußerter Wille zur verpflichtenden Richtschnur ärztlichen Handelns wird. Damit allein wäre es für ihn möglich, sein Sterben und seinen Tod in einer Weise vorauszudenken, die mehr mit seiner Person zu tun hat als mit der Entscheidungsgewalt irgendeines Arztes.

Dr. Doris Saynisch Hamburg