Warschau

Der ehemalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki ist stocksauer.

"Wozu macht man solche Resolutionen?" fragt er und unterstreicht seinen Unmut mit einer unwirschen Handbewegung. In seinem spartanischen Büro in der Warschauer Aleja Ujazdowskie sitzt er vornübergebeugt, eine graue Haarsträhne in der sorgenvollen Stirn, und sinniert über Sinn und Unsinn der Mai-Resolution des Bundestages. "Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten sind eine Brücke zwischen den Deutschen und ihren östlichen Nachbarn", steht über dem knapp vierseitigen Text. In Polen wurde er als blanke Provokation empfunden, Anfang Juli setzte das Parlament in Warschau eine knappe, heftige Erklärung dagegen. Darauf erklärte Erika Steinbach, CDU-Abgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen: "Sollte Polen bei dieser Haltung bleiben, dann ist es nicht reif für die Europäische Union."

Vermutlich dachten sich die Bonner Koalitionsabgeordneten nichts dabei, als sie die Formulierung guthießen, der EU-Beitritt Tschechiens und Polens erleichtere die Lösung noch offener bilateraler Fragen. "Es gibt zwischen unseren Ländern keine bilateralen offenen Fragen", sagt Mazowiecki, der als Ministerpräsident 1989 und 1990 mit Bundeskanzler Helmut Kohl erfolgreich um die definitive Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze rang.

Viele sind aufgeschreckt nach der heftigen deutschpolnischen Kontroverse der letzten Wochen. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien so gut wie nie, hatte Exbotschafter Janusz Reiter noch jüngst erklärt, man solle nicht immer über die Vergangenheit reden, sondern über die gemeinsame Zukunft. Aber der Krieg der Resolutionen zeigt, wie schwankend der Boden der Gemeinsamkeiten noch ist.

Ungefragt machte sich Bonn zum Anwalt der EU-Kandidatur Polens

Auch wohlwollende Polen waren über einige Passagen der eher unverfänglichen Resolution des Bundestages verärgert. Seit Erika Steinbachs Polemik fürchten viele Polen, daß da noch einiges auf sie zukommt. Selbst einem bewährten Freund Deutschlands wie Tadeusz Mazowiecki kommen Zweifel: "Was uns verunsichert, ist die Frage nach der Intention."