Die PDS hat sprudelnden Humor. Während die Volksparteien in der heißen Wahlkampfphase wenig Erfrischendes anzubieten haben, leistet die Partei des Demokratischen Sozialismus zum Auftakt einen feucht-fröhlichen Beitrag. Jeder Journalist, der sich die Vorstellung der PDS-Wahlkampf-Aktionen anhörte, wurde mit einer Flasche Sekt belohnt - extra trocken. Wohl bekomm's.

Mit Witz und lautstarken Sprüchen zieht die PDS auch in die letzte Runde. Die großen Unbeweglichen streiten sich um die Mitte. Die kleinen Spritzigen zielen auf die Jugend ab. Mit Rap und harten Worten attackiert die PDS, bei der die meisten Mitglieder die Pubertät schon lange hinter sich haben, Deutschlands Teenies. "Das ist immer noch mein Land. Hier hält keiner die Fresse", röhrt es aus den Boxen. Im Werbespot dazu rennt ein Mädchen in Armeekleidung zwischen den Rolltreppen, die für die meisten Menschen nach unten gehen, hinauf in die entgegengesetzte Richtung - und zieht die rettende Notbremse.

Wahlkampfstratege André Brie ist stolz auf sein jugendliches Produkt, das bald in TV und Kinos läuft. Selbst schon ergraut, findet er, daß Rap durchaus auch ältere Menschen ansprechen könne. Wohlerzogene Eltern dürften allerdings eher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Versuchen sie doch, Modewörter wie cool und geil aus dem Wortschatz ihrer Kinder zu tilgen. Bei der PDS, das ist die Message der Sozialisten-Garde, dürfen Jugendliche dagegen unangepaßt und frech plappern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Auch Ausländer werden von der Linkspartei in der heißen Phase getätschelt. Am Tag ihrer Wahlkampfpräsentation gibt sich die Partei fremdenfreundlich: Ein schwarzer Genosse verteilt die Pressemappen mit den Erfolgsthesen. Einen Ruck wünscht sich nicht nur der Bundespräsident, sondern auch die PDS. Allerdings nicht nach vorne, sondern nach links. Das macht sie auf ihren Plakaten mit riesigen Pfeilen deutlich.

Mit einer frecheren Kampagne will die Sozialisten-Garde endlich auf gesamtdeutschem Terrain an Boden gewinnen. Mit ihrem Gruppen-Dasein im Bundestag gibt sich die PDS nicht mehr zufrieden. Um die Fünfprozenthürde zu überwinden, erklärt sich Gregor Gysi sogar bereit, in solchen westdeutschen Städten Zweitstimmen-Wahlkampf zu machen, wo er und seine Parteifreunde trotz Gratis-Sekt mit Tomaten beschmissen werden. "Da muß man halt durch", meint Gysi dazu trocken - extra trocken.