Wenn schon Meteorologen und Rundfunkanstalten die Sonne nicht herbeireden können, so bemühen sie sich doch, selbst bei deprimierenden Aussichten gefällige Formulierungen zu finden. "Regenwahrscheinlichkeit" ist so ein Begriff, der in keiner Wettervorhersage fehlen darf. Er gibt sich anschaulich und läßt mathematische Präzision vermuten. Echter Hörerservice also, oder? Kürzlich meldete die NDR-Hamburg-Welle eine Regenwahrscheinlichkeit von dreißig Prozent. Was heißt das? Man könnte vermuten, daß ein knappes Drittel des Tages verregnet sein wird. Stimmt aber nicht. Gemeint ist vielmehr, daß die Wahrscheinlichkeit, naß zu werden, mit ungefähr eins zu zwei relativ gering ist. So jedenfalls belehrt uns die kleine Orientierungshilfe, die Deutsche Wetterdienst an Rundfunkanstalten verteilt, damit sie ratlosen Hörern Auskunft geben können. Naß werden kann man binnen dreißig Sekunden oder bei einem achtstündigen Dauerregen. Doch hier klärt uns der Beipackzettel des Deutschen Wetterdienstes auf: "Bei der Einschätzung der Niederschlagswahrscheinlichkeit spielt das zeitliche Moment keine Rolle." von wann an ist der Mensch eigentlich "naß"? Auch darauf geben die Meteorologen Antwort: "Etwa 0,1 Millimeter ist die Niederschlagsmenge, die dazu führt, daß man im Freien naß wird." Schwieriger ist die Frage, wann das Wetter das Prädikat "trocken" verdient. Für den Deutschen Wetterdienst ist dies bei einer Regenwahrscheinlichkeit von null bis zehn Prozent der Fall. Im Gegensatz zu "naß" scheint "trocken" also ein dehnbarer Begriff zu sein, von extra dry bis halbtrocken .Kann es überhaupt eine Regenwahrscheinlichkeit von null, oder, was leider häufiger angesagt wird, von hundert Prozent geben? Handelt es sich dabei nicht um absolute Gewißheiten, die nicht einmal den Hauch eines Zweifels dulden? Und was soll man von der fünfzigprozentigen Regenwahrscheinlichkeit halten? Wobei sich die Frage stellt, wie denn die Wetterfrösche überhaupt auf ihre Prozente kommen. "Wenn man davon ausgehen muß, daß der Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann im Vorhersagezeitraum ,naß' wird, wird man mindestens 70 Prozent vorhersagen." Aber warum nicht 65 oder 76? Jedenfalls kennen die Wetterexperten die Nöte des Bürgers. "Es ist ärgerlich, wenn man morgens früh, versehen mit einer Niederschlagswahrscheinlichkeit von dreißig bis vierzig Prozent vor die Haustür tritt und es regnet (nicht schauerartig). Notfalls muß man zusätzlich zeitlich differenzieren. Zum Beispiel: morgens achtzig bis neunzig Prozent, ab Mittag vierzig Prozent." Oder einfach aus dem Fenster schauen und, wenn das nicht reichen sollte, die Hand raushalten.