Gegen Herrn von Kuenheims Traum von den Grillfreuden der Königin Luise im Tiergarten läßt sich, wie das mit Träumen so ist, kaum etwas einwenden, sowenig wie gegen den traumhaften Adjutanten des Königs, den General Schönbohm. Skepsis ist angebracht, wenn es zur Überführung der toten Königin in das Charlottenburger Mausoleum heißt: "Die Berliner standen am Straßenrand und heulten." Deshalb nämlich, weil sich das am 23. Dezember 1810 "ganz in der Stille" und in "einer finsteren, und gegen das Ende regnigten Nacht" ereignete, "früh um 4 Uhr". Von Publikum - außer den "königlichen Hausofficianten" und einer Ehrengarde - schreibt der zeitgenössische Beobachter nichts: Heinrich von Kleist, der am 24. Dezember 1810 in seinen Berliner Abendblättern darüber berichtete. Anders dagegen sah es aus beim "prachtvollen Einzuge der Hohen Leiche in der Residenz Berlin am 27. July 1810". Der Zug "auf der Lindenpromenade" dauerte "2 Stunden, von Abends 7 bis 9 Uhr", und "die Bürger und Zuschauer" füllten die Straßen "in großen Haufen". Da wird dann auch kräftig geheult worden sein.

Horst Häker, Berlin