Allenthalben ist vom Bildungsnotstand in Deutschland zu hören und zu lesen.

Siegmar Mosdorf, SPD-MdB, forderte erst kürzlich, die Bibliotheken stärker zu fördern. Gerade denen aber droht nun ein Kahlschlag - mit der wohl unwiderruflichen Schließung des Deutschen Bibliotheksinstituts (DBI) in Berlin. Der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Fragen der Bildungs- und Forschungspolitik berät, hat das DBI bewertet und danach empfohlen, das Institut nicht länger über die sogenannte Blaue Liste staatlich zu finanzieren. Das mit jährlich vierzehn Millionen Mark geförderte Institut ist eine wichtige Stütze für große wie kleine Bibliotheken. Es hat einen maßgeblichen Beitrag zum Aufbau funktionsfähiger Strukturen in den neuen Bundesländern geleistet. Begründung für das Ende der Förderung: Das DBI biete zuwenig Service für wissenschaftliche Bibliotheken, dagegen zuviel für die öffentlichen. Zwar verkennt die gegenwärtige Direktorin Karin Pauleweit nicht, daß das DBI kein Forschungsinstitut im engeren Sinn ist. Die Stellungnahmen von sechzehn Direktoren und Direktorinnen der wichtigsten deutschen Universalbibliotheken haben indes gerade den Service für die wissenschaftlichen Bibliotheken gelobt. Offenbar wissen die Nutzer das DBI besser einzuschätzen als die Gutachter. Berlins Wissenschaftssenator Peter Radunski beteuert zwar, das Land werde alles tun, um "das DBI fit für das 21.

Jahrhundert" zu machen. Die 120 Mitarbeiter glauben daran nicht so recht. Die bisherigen Förderer - Forschungsminister Jürgen Rüttgers und seine Länderkollegen teilen sich den DBI-Etat im Verhältnis 30 : 70 - leiden unter chronischem Geldmangel. Bonn hält sich bedeckt, schließlich sei Berlin als Sitzland des DBI erstverantwortlich. Sozialdemokrat Mosdorf warnt daher vor einem "erneuten Rückschlag auf dem Weg zu einer Informationsgesellschaft".

Freuen kann sich dagegen die Elektronenspeicherungsgesellschaft Bessy II in Berlin-Adlershof. Nachdem Radunskis Wissenschaftsstaatssekretär, Erich Thies, Bessy II Zugang zur Blauen Liste verschafft hat, bekommt die nun vermutlich jene Mittel, die dem DBI gestrichen werden - womöglich schon ab 2000.

Neue Angaben über die Finanzkrise der Expo 2000 lassen die Kritik an Generalsekretärin Birgit Breuel immer lauter werden. Zu Wort meldete sich auch CDU-MdB Manfred Kolbe, der sich seit Jahren über das geplante Spektakel ärgert und im Bundestag wegen des hohen Jahresgehalts von Breuel (zwischen 500 000 und einer Million Mark) schon einmal vorstellig wurde. Jetzt fordert Kolbe sogar Breuels Ablösung. So weit mochte Dieter Lau, Vizepräsident des Steuerzahlerbundes, nicht gehen. Er verlangte, man solle Breuel "einen Finanzmann an die Seite stellen, der die Finanzen überprüft".

Wirtschaftsminister Günter Rexrodt, Mitglied des Expo-Aufsichtsrates, hat - ganz Gentleman - Breuel dagegen in Schutz genommen. Ihm sei "völlig unverständlich, daß im Zusammenhang mit der Expo verschwiegen wird, daß sie der öffentlichen Hand Steuereinnahmen in Milliardenhöhe bescheren wird". Da sollte man doch gleich die nächste Expo planen - als neue Geldmaschine für Theo Waigel.