Europaweit wird in den nationalen Ligen nun wieder um Punkte gekickt.

Doch wie lange noch? Unter armen Schluckern und Provinzvereinen, von Coventry über Bremen bis Udinese, geht die Angst um. Sie wissen nicht, ob sie nicht bald schon unter sich und ihresgleichen sein werden, während sich Eliteclubs aus Manchester, Turin und München in hehren europäischen Gefilden tummeln werden. Eine unheilige Allianz von Medientycoons, Bankiers und Vereinspräsidenten will die Habenichtse abhängen. Geplant ist eine europäische Superliga. Es mischen mit der italienische Medienmagnat Silvio Berlusconi, der auch hier mit Rupert Murdoch kungelt, ein saudischer Prinz mit viel Kleingeld und die cleveren Anlagestrategen der US-Investmentbank J.

P. Morgan. Ein passenderer Name für ihr Projekt wäre wohl "Liga der Gier" oder "westeuropäische Fernsehallianz".

Oberstes Ziel ist es, die erhofften Riesengewinne aus digitalem Fernsehen und Pay per View TV voll auszuschöpfen und einer handverlesenen Fußballelite zukommen zu lassen. Denn die besitzt schließlich, was die Multikanalwelt des digitalen Zukunftsfernsehens dringend braucht: attraktive Software für Hunderte von TV-Kanälen.

Media Partners International, die federführende Organisation mit Sitz in Mailand, hat sich jetzt, nach Wochen geheimer Verhandlungen, in die Karten blicken lassen. Für eine Garantiesumme von rund 60 Millionen Mark sollen 16 Topvereine einen garantierten Platz in der 32 Teams umfassenden Eliteliga erhalten die restlichen 16 würden ausgewählt nach dem sportlichen Erfolg in Europa in den vergangenen zehn Jahren sowie dem Zuschauerzuspruch. So wollen die Initiatoren die Einwände von Uefa, dem europäischen Fußballverband, und nationalen Ligen entkräften. Abstieg und Aufstieg in den illustren Kreis wären zugunsten des Mammons nicht völlig außer Kraft gesetzt.

Im Auftrag der "Superligisten" macht jetzt The Brunswick Group, eine PR-Gesellschaft, Stimmung für das umstrittene Projekt. Man werde europäische Fußballwettbewerbe viel effizienter und profitabler organisieren als die muffige, bürokratische Uefa. Die hatte in der Saison 1996/97 in der Champion's League einen Umsatz von knapp 300 Millionen Mark erzielt. Die 16 Teilnehmer durften sich "nur" 170 Millionen Mark Einnahmen aus Fernsehen und Sponsorship teilen. Aus Sicht von Rodolfo Hecht bei Media Partners ist die Champion's League ein "völlig unausgeschöpftes Produkt". Um sensible Gemüter zu beruhigen, verspricht man zugleich rund 180 Millionen Mark für den "Breitensport" pro Jahr.

Dennoch wächst der Widerstand gegen die Geldliga. Die Bundesliga-Vereine drohen, Bayern München und Borussia Dortmund, einzige deutsche Kandidaten für die Superliga, rauszuwerfen. In England reagieren selbst umworbene Spitzenvereine skeptisch. "Wir haben bereits die spannendste Liga Europas", stellt Alex Fergusson fest, Manager von Manchester United, einem der reichsten Vereine der Welt. Wenn United einmal ausnahmsweise nicht vor 56 000 Zuschauern im ausverkauften Haus spielt (pro Heimspiel fließen sechs Millionen Mark in die Kassen), war mit Sicherheit ein Verein vom europäischen Kontinent zu Gast. Ähnlich die Situation bei Glasgow Rangers in Schottland.