Stollmann ist wieder da, hemdsärmelig, optimistisch, berstend vor Aktivität. Der 43jährige Seiteneinsteiger, den SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder zum Wirtschaftsminister machen will, zeigte sich diese Woche zum erstenmal auf einer SPD-Veranstaltung. Nach seiner überraschenden Nominierung Mitte Juni war er erst einmal in Urlaub gefahren.

Ziemlich lässig für jemanden, der ein Ministeramt anstrebt. Aber nun ist er zurück. Am Wahlkampf freilich will er nach wie vor nicht teilnehmen. Die FAZ forderte ihn jetzt auf, er solle ganz schweigen. Wer sich wie Stollmann hinter das SPD-Programm stelle, habe auf eigene Gedanken verzichtet. Zuvor hatte das gleiche Blatt ihn gerügt, weil er das SPD-Programm nicht ernst nehme. Stollmann hat ein Problem mit den Medien, nicht nur mit der FAZ.

Viele geben ihm in Bonn keine sechs Monate

Der erste Eindruck, den er kurz nach seiner Nominierung hinterlassen hat, war nicht rundum positiv - gelinde gesagt. Er trat in jedes Fettnäpfchen, das sich darbot, relativierte Schröders wichtigstes Wahlversprechen, das Bündnis für Arbeit, und erklärte, daß Unternehmen auch ohne Mitbestimmung und Betriebsrat prima funktionieren könnten. Unfähigkeit, meinen die einen, bewußte Provokationen, sagen die anderen. Dennoch, das zeigt sein Auftritt in dieser Woche, ist er bei der SPD-Spitze noch nicht in Ungnade gefallen. Was nicht ist, kann noch werden, denken manche Genossen - selbst gestandene Wirtschaftsexperten und Würdenträger der Partei zählen dazu. Sie prophezeien dem Computermann, er sei so unbedarft und schutzlos, daß er keine sechs Monate in Bonn durchhalten werde.

Doch wer den Unternehmer jetzt schon als Politclown abtut, den Schröder rasch fallenlassen wird, übersieht zwei Dinge: Stollmann hat Durchsetzungsvermögen, und er kann Menschen für sich gewinnen. Hinter seinem Kauderwelsch aus Anglizismen, Managementtheorie und EDV-Metaphern steckt zielstrebiges Denken.

Bei Compunet, dem Unternehmen, das er von 1986 an aufbaute und 1996 an General Electric verkaufte, hat er Führungsqualitäten bewiesen. Er kann Menschen für eine Idee begeistern und zu Leistungen anspornen.

Die extrem flache Hierarchie, die Stollmann bei Compunet verwirklichte, wirkt fortschrittlich. Kritiker werfen ihrem früheren Chef allerdings vor, er habe einen totalen innerbetrieblichen Wettbewerb organisiert und seine Angestellten der gnadenlosen Konkurrenz ausgeliefert. Eine gemeinsame Interessenvertretung gibt es bei Compunet nicht, weil dies dem Credo widerspräche, daß jeder seine Belange selber wahrnehmen und alle Anliegen kommunizieren soll. Die Bezahlung ist weitgehend von Leistungsprämien abhängig, deren Kriterien undurchsichtig sind, weil nur zwischen Geschäftsführer und Mitarbeiter darüber geredet wird.