Bei Lufthansa und allen Fluggesellschaften, die etwas auf sich halten, gibt es seit ein paar Jahren Rabattmarken. Natürlich dürfen sie nicht mehr so heißen, weil der Name allzusehr an Hausfrauenfron und Kolonialwarenladen erinnert. Die neumodischen Marken werden auch nicht befeuchtet und geklebt, sondern elektronisch auf einer Plastikkarte gutgeschrieben - als "Statusmeilen". Den Kontostand fragt man per Internet nach.

Wer viel kauft, kriegt bei der Lufthansa eine "Miles&More-Card", wer exzessiv fliegt, die "Frequent Flyer Card". Und wer kaum noch ein Bein an den Boden bekommt, den adelt die "Senator Card". Das Rabattsystem des internationalen Luftverkehrs funktioniert frei nach dem Prinzip, Menschen, die vom Fliegen ohnehin schon die Nase voll haben, noch zu weiteren Flügen zu verleiten. Wer bereits mehrfach qualvoll den Äquator umrundet hat, hat sich Freiflüge an fast jeden Punkt der Erde verdient, etwa für lumpige 55 000 Statusmeilen nach Houston oder für 90 000 Meilen nach New York.

Das Meilenschinden ist mühsam und eine Geheimwissenschaft für sich. Soll sich der Luftikus die nächste Dienstreise versüßen und sich für die Prämie Fly smart oder das Upgrade-Zertifikat entscheiden? Ist die "Heißluftballonfahrt mit Sektempfang" nicht ein zünftigeres Bonbon als ein Besuch in der Boxengasse der Formel 1? Zwei VIP-Karten für den Grand Prix in Monza hat die Lufthansa unlängst gegen ein Mindestgebot von 250 000 Meilen unter ihren Statuskunden versteigert.

Man gönnt sich ja sonst nichts, und der moderne Jetsetter muß sich zudem noch mit Neidern herumplagen: Das Finanzamt wittert in Freiflügen und anderen Belohnungen einen steuerpflichtigen "geldwerten Vorteil". Arbeitgeber argwöhnen, daß auf ihre Kosten erworbene Statusmeilen eigentlich der Firma zugute kommen sollten. Und es kommt noch schlimmer: In den Vereinigten Staaten müssen Meilensammler bei einer Scheidung neuerdings auch noch die Hälfte ihres Guthabens an den Ehepartner abtreten.

So weit muß man es nicht kommen lassen. Der schlaue Vielflieger trennt sich erst von seinen Meilen und dann von seiner Gattin. Hierzulande ist diese Vorsichtsmaßnahme noch unbegründet. Im Scheidungsfall sind Freimeilen nach Auskunft der Lufthansa unteilbar.