Falk Balzer aus Chemnitz ist verdammt schnell. Die 60 Meter Hürden läuft er in 7,47 Sekunden, das ist deutscher Hallenrekord. Beim Jenaer Sportfest im Frühjahr hängte er über 110 Meter Florian Schwarthoff ab, den bisher schnellsten Deutschen. In dieser Woche werden die Leichtathletik-Europameisterschaften in Budapest ausgetragen. Da will er es unter die besten acht schaffen. Denn er fühlt sich in der Form seines Lebens.

Daß der 24jährige so gut über die Hürden kommt, verdankt er seiner Mutter.

Karin Balzer wurde 1964 in Tokio Olympiasiegerin in dieser Disziplin. Sie gewann drei Europameisterschaften und stellte sieben Weltrekorde auf. Seit zehn Jahren ist sie die Trainerin ihres Sohnes.

"Ich hatte genug eigenen Erfolg. Ich muß der Welt mit meinem Kind nichts mehr beweisen", sagt die Sechzigjährige, die vor ihrer Sportkarriere Chemiefacharbeiterin war. "Mein Sohn soll vernünftig aufgebaut werden, und dabei will ich ihn vor einigen harten Erfahrungen bewahren." Was sie damit meint, läßt sie allerdings offen.

"Da sind so Sachen, über die man nicht gerne redet", sagt Falks Vater, der früher das DDR-Frauenteam im Hürdensprint trainierte, unter anderem eine junge Sportlerin namens Karin. "Die Mädels hatten damals doch kaum Zeit zum Leben, nur Sport und Disziplin." Und dann seien da noch "die kleinen Pillen" gewesen, mit denen er nichts zu tun haben wollte. Das sollte auch für Falk gelten, der als Dreizehnjähriger in der Kinder- und Jugendsportschule auf Höchstleistung getrimmt wurde. "Ich hab' gesagt, mein Sohn nimmt so was nicht, und da teilte man mir mit: Dann macht Ihr Sohn bei uns eben kein Abitur."

Nach der Wende schien Falk Balzers sportliche Zukunft ungewiß. Die Kinder- und Jugendsportschule sollte geschlossen werden

sein Heimatverein, der SC Karl-Marx-Stadt, löste sich auf. Seine Mutter verlor ihre Stelle im Trainingszentrum Karl-Marx-Stadt. "Ich und mein Mann als Trainer - in diesen ganzen Wirren war das die optimale Lösung", sagt Karin Balzer, und: "Mit meiner Doppelrolle hatte ich noch nie Schwierigkeiten. Privat bin ich verständnisvolle Mutter, dienstlich konsequente Trainerin."