Unsere Kinder haben in dieser Woche ihre besten Freunde verloren. Abgeschoben nach Vietnam. Noch haben sie es nicht ganz begriffen, ihre Namen kommen im Spiel vor. Sie sprechen davon, daß die beiden wiederkommen werden, "in fünfzehn Jahren". Bald werden sie fragen, wie viele Jahre bereits vergangen sind.

Die Polizei kam um halb zwei Uhr nachts. Es war der zweite Abschiebeversuch, dieses Mal angekündigt. Bereits vor einem Monat stand ein Polizeiwagen um vier Uhr morgens vor der Tür, mit fünf Beamten und Beamtinnen. Keiner öffnete. Nur eine Nachbarin, vom Klopfen geweckt, sagte, daß die Familie bei Freunden sei. Wahrscheinlich erging der Eintrag in die Fahndungslisten am selben Tag und wurde erst gelöscht, nachdem die Familie später in der Ausländerbehörde vorgesprochen hatte. Sie fürchteten, im Amt verhaftet zu werden, gingen nur in Begleitung dorthin. Da sie unterschrieben, bei der Rückführung nach Vietnam kooperieren zu wollen, wurden ihnen jetzt Abflugtermin und Abholzeit mitgeteilt.

Rückführung - nach zehn Jahren Leben in Deutschland. Wo ist man da zu Hause?

Hier geheiratet, hier beide Kinder geboren. Die Kleine weinte, als sie zum Abtransport geweckt wurde: Sie hatte immer Angst vor der Polizei, die nachts kommen würde, um sie zu holen. Am Vortag hat sie plötzlich Fieber bekommen.

Der große Junge war im Kindergarten verabschiedet worden. Den Schnuppertag in der Schule haben die Eltern bereits nicht mehr wahrgenommen - es war der Tag, an dem die Polizei das erste Mal kam.

Kein dringender Grund, der für ihren Verbleib in Deutschland spräche.

Immerhin war jetzt genug Zeit zum Abschiednehmen. Gepackte Koffer habe ich in der Wohnung immer gesehen. Nach dem Rückführungsabkommen zwischen Deutschland und Vietnam konnte die junge Familie nie sicher sein, wann ihr Termin kommen würde. Wegen Fluchtgefahr wird er vietnamesischen Familien, die sich nicht freiwillig zur Rückkehr entschließen, gewöhnlich nicht mitgeteilt. Wer einmal entkommen ist, wird in Abschiebehaft genommen, sobald die Behörden den Aufenthaltsort ermittelt haben. Auch das ist gewöhnlich. "Gewöhnlich" kommt von gewohnt sein - wir haben uns bereits an vieles gewöhnen lassen. Auch an Sinnloses.