Harare

Die Ausländer fliehen aus der Demokratischen Republik Kongo. Bakavu, Goma und Uvira, drei Grenzstädte im Osten, sind gefallen. In der Hauptstadt Kinshasa gehen die Lichter aus. Rette sich, wer kann, die Rebellen marschieren wieder.

Diesmal heißt ihr Feind nicht Mobutu Sese Seko, der alte Diktator in Exzaire, sondern Laurent Kabila, sein Nachfolger. Der neue Präsident forderte alle Angehörigen des Volkes der Tutsi auf, das Land unverzüglich zu verlassen, also auch die Soldaten und Offiziere, die ihm 1997 geholfen hatten, Mobutu zu stürzen. Er erntete Zustimmung im Volk, das die Tutsi als Besatzer aus dem Nachbarland Ruanda ansieht, und eine Rebellion jener Armeeteile, die von zairischen Tutsi dominiert werden.

Kabila sei wie Mobutu ein ruchloser Despot, der verjagt werden müsse, weil er sich nur selbst bereichere, sagen die Aufständischen. Sie werden, wie im Vorjahr, heimlich von Ruanda und vermutlich auch von Uganda alimentiert, und es sieht so aus, als würde sich die Geschichte wiederholen. Doch diesmal sind die Karten anders gemischt. Mobutus Entmachtung wurde von aller Welt - Frankreich ausgenommen - begrüßt. Kabila aber steht nicht allein da, obwohl ihn seine wichtigsten Förderer - die Amerikaner - längst fallengelassen haben. Er verfügt über eine Machtbastion in seiner Heimatprovinz Shaba. Und er hat potentielle Bundesgenossen in Simbabwe, Namibia und Angola, mit denen er sich vorige Woche beriet.

Südafrika wurde zu diesem Krisengipfel nicht eingeladen. Die stärkste Macht auf dem Kontinent war Kabila lange Zeit wohlgesonnen

als sein Versagen offenbar wurde, zog sie sich zurück. Die Politik der Südafrikaner ist widersprüchlich, aber sie neigen eher dem Lager Ruandas, Ugandas und der Rebellen zu. Auch die Rolle Angolas bleibt unklar. Das Regime in Luanda will vermeiden, daß die Republik Kongo kollabiert und seinen Erzfeinden, den Unita-Rebellen, ein neues Rückzugsgebiet im Nachbarland zufällt. Eine Intervention der Angolaner ist nicht auszuschließen. Ihre Luftwaffe, die schlagkräftigste in der Region, hat schon den Bürgerkrieg im anderen Staat namens Kongo entschieden.

In diesem Falle stünden sich zwei afrikanische Allianzen gegenüber: hier Kabila, unterstützt von Sam Nujoma (Namibia), Robert Mugabe (Simbabwe) und Eduardo dos Santos (Angola), allesamt Vertreter der alten kontinentalen Ordnung