Was soll das im Zeitalter der Trendbücher? Der Autor vertritt keine aufregende These, aktuelle Streitfragen streift er kaum, und gleich am Anfang räumt er ein, daß sein Thema trostlos sei. Kurzum: "Die Welt der Wirtschaft" von André Fourçans ist ein wunderschönes Buch - für neugierige Jugendliche ebenso vergnüglich und lehrreich wie für Erwachsene ohne Volkswirtschaftsdiplom.

Parallelen zu Jostein Gaarders philosophischem Bestseller "Sofies Welt" dürften kaum ein Zufall sein. Fourçans, ein französischer Wirtschaftsprofessor, will mit seinem Buch die Ökonomie enträtseln, um sie seiner Tochter nahezubringen. So jedenfalls der Klappentext. Ob der Autor damit Erfolg hatte, ist nicht überliefert. Sicher ist: So spielerisch haben bisher nur wenige Autoren einen so fundierten Überblick über die Volkswirtschaftslehre gegeben.

Die scheinbar trostlose Wissenschaft ist ja zum Glück reich an bunten Metaphern und Anekdoten. So ließ der amerikanische Ökonom Milton Friedman vom Hubschrauber aus Geldscheine aufs Land regnen, um zu beweisen, daß die Inflation ein rein monetäres Phänomen sei. Sein Kollege Irving Fisher überzeugte einen skeptischen Friseur vom Sinn des Zinses durch den Vorschlag, er werde die Rechnung fürs Haareschneiden mit einem Schuldschein begleichen - zinslos und fällig in hundert Jahren.

Frédéric Bastiat, ein geistreicher Franzose des 19. Jahrhunderts, spießte den Hang seiner Landsleute zum Protektionismus auf, indem er verlangte, die Sonne auszusperren. Seine einleuchtende Begründung: Die allzu billige Strahlenflut mache den inländischen Kerzenherstellern den Markt kaputt.

Die Welt der Wirtschaft ist natürlich mehr als eine Anekdotensammlung, auch für André Fourçans. Auf dem Lehrplan stehen deshalb natürlich anspruchsvolle Themen: die Entstehung von Geld und die Zusammenhänge zwischen Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkten die Konflikte zwischen Keynesianern und Monetaristen sowie Neuklassikern um die Rolle der Wirtschaftspolitik die Einsicht der Neuen Politischen Ökonomie, daß auch Politiker statt des Gemeinwohls lieber den Eigennutz maximieren - es sei denn, demokratischer Wettbewerb sorgt für Mäßigung.

Fourçans' Sympathien für eine neuklassische Perspektive und eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik bleiben nicht verborgen. Doch der Professor hat eine kritische Tochter, die erst einmal überzeugt werden will - ihm bleibt also gar nichts anderes übrig, als die vielen Einwände sorgfältig abzuwägen, die in der öffentlichen Debatte so oft unbeantwortet bleiben.

Auch andere Leser werden es daher gern hinnehmen, daß Fourçans weder für das ökonomische Rätsel noch die drängenden wirtschaftspolitischen Fragen eine einfache Lösungsformel anbietet. Würde das Buch ein Verkaufserfolg wie "Sofies Welt" - womöglich gäbe es sogar Anlaß zur Hoffnung, daß mancher trostlose Streit um die Wirtschaftspolitik künftig konstruktiver verläuft.