Bundesliga-Fußball ist der Deutschen Bank jahrelang zu popelig gewesen, jedenfalls um mit den Balltretern groß zu werben. Versicherungsgigant Allianz bestritt ehedem sogar, daß per Sportwerbung wenigstens ein positives Image vermittelt werden könne. Folglich sonnten sich bislang nur einige Mittelklasse-Finanzdienstleister im Glanz der Liga. Jetzt scheint der Klassenschnitt in der gerade gestarteten Saison weiter abzurutschen: Auf prominenten Hemdbrüsten prangen die Logos von zwei Drückerkolonnen mit äußerst mäßigem Leumund.

Die DVAG ersetzt den Keksbäcker Bahlsen als sogenannten Hauptsponsor beim Meister 1. FC Kaiserslautern. Werbeeinsatz der Deutschen Vermögensberatung AG: geschätzte sieben Millionen Mark. Europas größter eigenständiger Finanzvertrieb, der auch mit den Schumacher-Brüdern, Otto Rehhagel und Golfprofi Bernhard Langer wirbt, wird sich die PR-Millionen locker leisten können: Mehr als 15 000 Verkäufer haben nach Firmenangaben in über zwei Millionen Wohnungen Versicherungspolicen, Investmentanteile oder Bausparverträge im Vertragsvolumen von über 107 Milliarden Mark abgeschlossen.

Mit seinem Slogan "branchenunabhängig" suggeriert der "klassische Allfinanzler" seine Autonomie. Die schätzte auch der pensionierte Kölner Soziologieprofessor Erwin Scheuch, als er in den Beirat der DVAG eintrat, den er altersbedingt im Januar verließ. Die ganze Vielfalt des Marktes aus einer Hand sei doch eine prima Idee, erzählt der bundesweit bekannte Kämpfer gegen Filz und Vetternwirtschaft. Aber, aus der Nähe betrachtet, habe man gesehen, daß die verkauften Produkte nur aus einer einzigen Gruppe stammen. Auf siebzig Prozent schätzt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Anteil der Aachener-Münchner-Produkte am Umsatz der DVAG. Solcher Kritik widerspricht die DVAG lediglich vage, das Gewicht der Policen aus der Aachener-Münchener-Versicherungsgruppe (AMB) sei "groß", erklärt ein Firmensprecher und bewertet dies positiv. Immerhin verfüge die DVAG über "starken Einfluß" auf die AMB, was den Kunden zugute komme.

Verbraucherschützer Bieler bleibt jedoch mißtrauisch. Eine von Konzerninteressen unabhängige Beratung wird inseinen Augen lediglich vorgegaukelt.

Das Amtsgericht Frankfurt hat bereits einen DVAG-Vertreter wegen "Falschberatung" verurteilt. "Schwarze Schafe gibt es leider auch bei uns", beruhigt ein Firmensprecher. Recht hat er. Die grundlegende Verbraucherkritik richtet sich vor allem gegen eine durchaus legale Praxis: beispielsweise gegen die mangelhafte Qualität der Ausbildung - nach Firmenangaben "150 bis 200 Stunden für Hauptberufler", umgerechnet also eine einmonatige Lehre.

Heikel ist auch die Einkommensabhängigkeit der 15 000 "freien Handelsvertreter" von den Provisionen, die sie für die verkauften Investments und Policen kassieren. Eine Verkaufsberatung, die häufig an den Finanzbedürfnissen der Kunden vorbeizielt, ist programmiert. Die Firma setzt solcher Kritik zwölf Berufsbildungszentren entgegen, die "demnächst" eröffnet werden sollen.

Neben der Sport-Connection pflegt die DVAG eine auffällige Vernetzung mit der Politikerkaste. Hessens Exministerpräsident Walter Wallmann wurde zum Generallbevollmächtigten gemacht. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe sitzt im DVAG-Beirat neben Bundesminister a .D. Gerhard Stoltenberg.