Gibt es ein bockigeres Volk als das deutsche? Seit Jahren versuchen Politiker den Bürgern einzubleuen, daß die staatliche Rente künftig nicht mehr ausreichen wird. Und daß daher jeder selbst etwas zurücklegen muß. Alles für die Katz, die Deutschen sparen immer weniger. Die Sparquote, das ist der Anteil am Einkommen, der auf die hohe Kante gelegt wird, fällt und fällt. Das schlimme daran, meinen Ökonomen, sei nicht einmal, daß die Deutschen damit alle Chancen auf ein Auskommen im Alter verspielten. Viel gravierender sei, daß sie mit ihrer schwindenden Sparlust der Wirtschaft nicht genügend Geld für Investitionen zur Verfügung stellten. Je weniger die kleinen Leute nämlich sparten, um so teurer seien die Kredite. Um so weniger Lust hätten die Herren Unternehmer, Geld für neue Maschinen oder Mitarbeiter auszugeben. Theoretisch jedenfalls. Einige Extremisten, darunter FDP-Politiker und sogar Akademiker wie der unerbittliche Professor Meinhard Miegel, würden deshalb am liebsten die staatlichen Rentenanstalten in die Luft sprengen. Dabei ist es genau umgekehrt: Eine zu hohe Sparquote schadet der Konjunktur. Viel Sparkapital und billige Kredite sind für die Unternehmen noch lange kein Grund, mehr zu investieren. Das tun sie nur, wenn die Nachfrage nach ihren Produkten steigt. Und die geht nur in die Höhe, wenn weniger gespart und mehr konsumiert wird. Wer also wirklich etwas für die Sicherung seiner Zukunft tun will, der darf jetzt nicht knausern, sondern der muß sein Sparkonto plündern. Schlaue Köpfe haben ausgerechnet, daß jede Mark, die in den Konsum gelangt, das Volkseinkommen um drei Mark erhöht. Das gilt freilich auch umgekehrt: Wer zuviel spart, schmälert das Sozialprodukt. Mit anderen Worten: Je mehr die Menschen sparen, um so ärmer werden sie. So borniert sind sie also offenbar nicht, die Deutschen.