Die Zukunft der Musik oder der schlechteste Kunstgag der Geschichte", so resümierte eine Londoner Zeitung nach dem Auftritt von Mika Vainio und Ilpo VÆisÆnen mit Alan Vega. Abstrakt-Techno aus Finnland und dazu der Sänger von Suicide, Legende des frühen Electronic-Pop - ein verwirrender Gegensatz?

Hier geht es nicht um Widersprüchlichkeit als Konzept: Schon zu Punkzeiten haben sich Suicide mit ihren monotonen Synthesizerriffs zwischen alle Stühle gesetzt. Die Amerikaner nahmen vorweg, was Bands wie Depeche Mode und Soft Cell später zu New Wave glätteten und herunterkühlten. Mit minimalistischen Dauertönen legten sie feine Schmutzspuren und schockten das Publikum mit bedrohlichem Gesang.

Heute werden sie dafür als Urväter populärer Synthesizermusik verehrt (Wiederveröffentlichungen als EMI 991206-2), besonders von Klangskulpteuren wie Mika Vainio und Ilpo VÆisÆnen. Die beiden Finnen, die sich als Duo nur noch Pan Sonic und nicht mehr Panasonic nennen dürfen, sind alles andere als konforme Techno-Idealisten. In Galerien gaben sie ihre ersten Konzerte, und die Schallwellen, die sie sparsam aus selbstentwickelten Geräten ploppen lassen, wecken eine ästhetische Lust an den Folterfrequenzen akustischer Kriegsführung.

Auch auf "Endless" regieren Spezialsynthesizer, Drum-Module und immer wieder knirschende Oszillatoren mit puren elektronischen Tönen. Rhythmisches Pulsieren wechselt mit verhalten treibendem Techno-Beat. Ein synthetischer Baß pendelt im Ganztonschritt, daneben klickt es hochfrequent, und im Hintergrund schwingt ein Generatorenton ein und aus. Einmal rollt ein riesiges Motorenglissando dröhnend auf und ab, und es raschelt, als hätte man ein Kontaktmikrophon in einen Ameisenhaufen gesteckt.

Wieviel dramatisches Potential in solch scheinbar emotionsloser Minimalmusik steckt, offenbart Alan Vegas Sprechgesang. Unmelodiös, heiser stößt er kurze Zeilen hervor. Er bellt, stöhnt, knurrt oder schreit - erst wenn sich seine Rufe in endlosen Echos verlieren, vibriert die Stimme, will singen.

Wie ein Schamane beschwört Alan Vega die stoischen Maschinengeräusche, stammelt an gegen die musikalische Gleichförmigkeit. Und doch ist gerade sie der Organismus, der einen warm und vertraut umfängt, während der Gesang von woanders herzukommen scheint, fremd klingt.

Alan Vega ist die Kunstfigur mit Rock-Authentizität, die zwischen Gestern und Morgen steht. Er rezitiert Elvis' Botschaften, und Pan Sonic schicken sie mit elektronischem Puls durch den Zeittunnel, wo ihre modrige Gewißheit in zittrigen Fragen von den Wänden widerhallt. Auf Pan Sonics reinen Klangwellen reitet Alan Vega den alten Höllenhund Rock 'n' Roll vorwärts - um sich in Leidenschaft mit den Musikmaschinen zu vereinigen.