Die Arbeitslosigkeit unter Ärztinnen steigt rapide. Daß Frauen von der grassierenden Stellenknappheit für Mediziner oder - je nach Blickwinkel - dem Überangebot an ärztlichem Nachwuchs stärker betroffen sind als Männer, überrascht kaum. Wohl aber die Entdeckung, daß die alten Mechanismen für die Benachteiligung von Frauen immer noch wirken.

Denn neunzig Jahre nach Erscheinen des Pamphlets "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" von Paul Möbius sehen sich Frauen, die Ärztinnen werden wollen, noch immer dem Verdacht ausgesetzt, schlechte Mütter zu sein. Wie sich die Belastung durch eine Familie tatsächlich auswirkt, zeigen die Frauenquoten bei wissenschaftlichen und praktischen Berufskarrieren gleichermaßen. Treten beim medizinischen Staatsexamen noch gut zur Hälfte Frauen an, so sinkt ihr Anteil bei der Promotion auf ein Drittel, bei der Habilitation auf ein Zehntel und bei den C4-Professuren, die nachhaltigen Einfluß auf ein Fachgebiet haben, auf unter fünf Prozent. In absoluten Zahlen: Frauen besetzen lediglich 45 von 1398 deutschen Medizin-Lehrstühlen - darunter noch immer keinen einzigen für Frauenheilkunde.

In der Arztpraxis finden Frauen mittlerweile, anders als in der Klinik, vielfach gute Chancen, ihre Facharztweiterbildung zu absolvieren. Neben flexiblen Arbeitszeiten lockt hier auch die Teilzeitarbeit. Wegen der Aussicht auf eine spätere Niederlassung ist es aber wichtig, nicht als Assistentin, sondern als Partnerin in die Praxis einzutreten, betont Elisabeth Hauenstein, die als Allgemeinärztin in der Bundesärztekammer sitzt. Klinikärztinnen sollten nicht vergessen, daß sie im Fall einer Schwangerschaft das Recht haben, ihre Stelle zu teilen. Medizinerinnen, die ihre Stelle der Familie zuliebe ganz aufgeben, können sich auch während einer Babypause weiterbilden, um ihre Chancen beim Wiedereinstieg in den Beruf zu verbessern.

Zusatzqualifikationen gelten derzeit als die wichtigste Vorbeugung gegen Arbeitslosigkeit. Begehrt sind beispielsweise Medical Controlling, Krankenhausmanagement, Gesundheitsökonomie und Medizininformatik. Wen es dennoch erwischt und "wer länger als ein halbes Jahr arbeitslos ist, sollte flexibel sein und sich nach Alternativen umsehen", rät Magdalena Heuwig, die beim Marburger Bund einen Arbeitskreis für Ärztinnen betreut.

Als Hit unter den alternativen Berufswegen rangiert derzeit das Qualitätsmanagement im Krankenhaus. Die Medizinerinnen haben hier einen Standortvorteil. "Solche Stellen müssen aber bald besetzt werden, sonst rücken andere Berufsgruppen wie Betriebswirte in die Lücken ein", sagt Wolfgang Martin von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt am Main.

Besondere Förderungsprogramme für Frauen gibt es an den Hochschulen. Hier tun sich in absehbarer Zukunft enorme Karrierechancen auf. Denn bis zum Jahr 2005, so errechneten die Hochschulplaner, wird dort die Hälfte der Professorenstellen aus Altersgründen frei. Um sich für solche Positionen zu qualifizieren, können Akademikerinnen eine Förderung nach dem Hochschulsonderprogramm beantragen. 200 Millionen Mark werden gezielt für Maßnahmen eingesetzt, um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere zu fördern. Dazu gehören die Rücksichtnahme auf frauenspezifische Biographien, Frauenförderpläne, flexible Arbeitszeiten, großzügige Beurlaubungen und besondere Stellenprogramme für Frauen.

Ein Kontaktstipendium beispielsweise bietet die Möglichkeit, nach einer Kinderpause wieder Anschluß an die aktuelle wissenschaftliche Entwicklung im eigenen Studienfach zu finden. Werkverträge und Stipendien sollen den beruflichen Wiedereinstieg nach einer Promotion oder anderen wissenschaftlichen Projekten erleichtern. All diese Programme sind mit Zuschlägen für Kinderbetreuung und mit einer Teilzeitoption ausgestattet. An Reformabsichten fehlt es also nicht. Sie irgendwann einmal in die Realität zu übertragen, dürfte allerdings schwierig werden.