Endlich ist der Sommer vorbei. Wurde aber auch Zeit! Die Hitze ist doch eigentlich gar nichts für uns. Nehmt nur die Wespen: In Erlestoke, Gft. Wiltshire (solche Geschichten passieren immer in England), wurde gerade ein 63jähriger Farmarbeiter von den gelbschwarzen Tieffliegern totgestochen. Der Mann, meldet dpa , wollte seinem Chef zu Hilfe eilen, welcher gerade ein verletztes Kalb ...

Was uns zu unserem eigentlichen Thema bringt. Denn auch Christoph Schlingensief ist ja so eine Art Wespe und frecher Medienbrummer in unserem kleinen Land, und er sticht und pikiert die biederen Leute, daß es eine Art hat. Erst hat er nur mit grellen Filmen ("Das deutsche Kettensägenmassaker") die deutschen Spießer erschreckt und derbleckt, aber vor ein paar Jahren dämmerte ihm, daß der wahre Beruf des Künstlers nicht hinter, sondern vor der Kamera liegt, in der sog. Politik. Man sah ihn auf der documenta, wo er verhaftet, und vor dem Hamburger Schauspielhaus, wo er gefeiert wurde, und kurz darauf hat er dann einfach eine Partei gegründet, die "Chance 2000". Die sollte eine Art Heimat für die Arbeitslosen und Verlierer im Lande sein, eine Bewegung der Mißgeschickten also, und ihr Motto klang auch nicht schlecht: "Scheitern als Chance". Vor ein paar Wochen gab die neue Partei eine Probe ihrer neuen Macht, als sie den Wolfgangsee in Österreich, an dem bekanntlich Nochbundeskanzler Kohl seine Ferien verbringt, zum Überlaufen brachte, zwar nicht in Wirklichkeit, aber doch metaphorisch - und wer weiß, ein bißchen wird er schon geschäumt haben, der See.

Und die Arbeitslosen, die Verlierer, die Entrechteten? Na gut, die hatten ihren Sommer, und jetzt ist eben Herbst. Die neueste Nachricht von der Wetterfront: Sturmtiefs kommen jetzt griechisch angerauscht. Nicht mehr "Wiebke" und "Lea", sondern "Jupiter" und "Aphrodite" soll das Zeug bald heißen. Karamba! Lakedaimon! Darauf einen Ouzo, Christoph. Chance gehabt, Zweitausend verspielt. Lebbe geht weider.