Es war einmal eine kleine Stadt am Meer, die war etwas Besonderes. Ihre weißen Sommervillen leuchteten vor der Buchenwaldkulisse, die sich bis zum Strand herunterzog, und selbst die Brandung rollte ausgesprochen zurückhaltend auf den Sand.

Aber von den Häusern blätterte der Putz; vergessen und verwildert lagen sie da. Auf den Balkonen warteten Wäscheleinen und Federballschläger, die sich nicht damit abfinden konnten, daß alles vorbei sein sollte.

Anno August Jagdfeld sammelt Geld für eine Legende

Wie es sich für ein Märchen gehört, kam eines Tages der Prinz. Der sah sie da liegen und war sogleich überwältigt von ihrer Schönheit. "Dornröschen", flüsterte er. Dann nahm er sein Handy und kämpfte sich durch die dornigen Hecken der Behörden, bis er endlich die Treuhand dran hatte; denn der gehörte die Schlafende. Bitte sehr, sagte die, froh darüber, daß endlich das Telephon geklingelt hatte. Nimm sie dir; aber du mußt sie liften; und sorge dafür, daß dort wieder Leben einkehrt.

So märchenhaft stellt sich die jüngste Geschichte des Ostseebades Heiligendamm dem Betrachter dar. Von den Seebädern in Mecklenburg-Vorpommern nämlich hat dieses klassizistische Traditionsensemble die längste Geschichte, und eine Zeitlang sah es so aus, als ob die jetzt endgültig an ihr Ende gekommen wäre. Indes, ob der Prinz die Schöne tatsächlich retten kann, darüber gehen die Spekulationen, die Meinungen und die Prognosen derzeit noch weit auseinander.

Wer spielt mit? Da ist zunächst einmal Heiligendamm selbst. Kein Ort wie jeder andere. Das Etikett "ältestes Seebad Deutschlands" trägt er vor sich her wie eine überholte Suchmeldung, zwischen Imperfekt und Futur in Duldungsstarre verharrend. Unterwegs sind hier derzeit keineswegs die Verwöhnten, sondern Tages- und Kurgäste, die Älteren mit Windjacke und Plastiktüte, die Jüngeren in Adidas-Knopfhosen. "Der hat dit allet aufjekauft hier", erklärt auf der Strandpromenade ein Patient der Median-Klinik seiner Familie; seine ausholende Geste umfaßt die gesamte historische Architektur.

Womit wir schon beim Prinzen sind. Anno August Jagdfeld, der Immobilienfinanzier. Sein Konzept trägt den Namen Fundus Fonds Nr.34, ein geschlossener Immobilienfonds, mit dem er jene 270 Millionen Mark einsammeln will, die er für die Sanierung benötigt (weitere 50 Millionen sind ihm an Subventionen versprochen).