Die Zukunft naht - in kleinen Schritten. Hörfunk- und Fernsehübertragungen sollen bis zum Jahr 2010 von analoger auf digitale Technik umgestellt werden. Die neue Technik läßt Fernsehgerät und Personalcomputer zusammenwachsen, Rundfunknetze sind zum Telephonieren nutzbar, TV-Programme können übers Telephonnetz empfangen werden. Das hat soeben die Bundesregierung entschieden. Erarbeitet wurde der Plan von der vom Bundeswirtschaftsministerium eingesetzten Initiative Digitaler Rundfunk, an der neben Vertretern von Bund und Ländern Programm- und Diensteanbieter, Geräteindustrie, Handwerk und Verbraucher mitgewirkt haben.

Damit ist allerdings nicht mehr als ein politisches Signal gesetzt. Kein Zweifel, die digitale Übertragung wird die Technik der Zukunft sein. Über das Tempo der Entwicklung und die technischen Standards herrschte bisher jedoch große Unsicherheit. Kein Anreiz also für den Einstieg in den neuen Markt. Nun aber sieht Wirtschaftsminister Günter Rexrodt Anlaß zum Jubeln: "Die Verwirklichung der Informationsgesellschaft ist keine Vision mehr." Daß die Regierung noch rechtzeitig zur Wahl die eigene Zukunftsfähigkeit unter Beweis stellen will, ist ihr gutes Recht.

Aber: Wichtiger als der Zeitrahmen bis 2010 ist eine andere Zahl. Bevor die analoge Übertragung abgeschaltet wird, sollen 95 Prozent der Endgeräte digitale Programme empfangen können. Es liegt also bei den Verbrauchern, zu entscheiden, wie schnell sich die neue Technik durchsetzen wird. Die privaten Haushalte, die allein über den Erfolg des neuen Massenmediums bestimmen, brauchen die Sicherheit, nicht alle fünf Jahre ein neues Gerät anschaffen zu müssen. Noch längst ist die Digitaltechnik nicht ausgereift. Und: Programm- und Geräteanbieter müssen den Konsumenten erst einmal die vielen Multimediadienste und noch mehr TV-Programme schmackhaft machen.