Die Weltwirtschaft ist durcheinander. Von kreativem Chaos keine Spur: Schnell können die Misere in Asien, das Desaster in Rußland und die Malaise in Lateinamerika zur globalen Krise ausarten. Es ist an den Vereinigten Staaten und Europa, der Gefahr zu begegnen. Wo bleibt das Krisenmanagement? Und wer eigentlich kümmert sich darum, die Weltwirtschaft neu zu ordnen?

Zur Jahreswende sagten Ökonomen: Viel muß passieren, bevor wir Grund zur Sorge haben. Das meiste ist passiert.

Der russische Karren steckt tief im Dreck. Rußland kann nicht mehr zahlen, der Westen will nicht mehr zahlen. Nach dem Offenbarungseid droht der russischen Politik der Bankrott. Damit nicht genug: Die Intensivstation der Weltwirtschaft ist überfordert - der Internationale Währungsfonds (IWF) erweist sich wieder einmal als schlechter Samariter.

Auch die Südamerikaner merken, daß der Planet kleiner geworden ist; die ersten Kandidaten für das Abwertungsdomino sind ausgemacht: der gebeutelte Ölexporteur Venezuela, das hochverschuldete Brasilien. Legen die Spekulanten erst richtig los, werden die Reformerfolge der Latinos wenig fruchten. Binnen Jahresfrist sind die Aktienkurse um mehr als ein Drittel gefallen - eine Börse des Pessimismus.

Welch ein Irrtum zu meinen, der Westen werde ungeschoren davonkommen! Die Vereinigten Staaten erleben den Anfang vom Ende des Wachstums, das sieben fette Jahre währte. Wenn jetzt die Japaner in ihrer Not viel Geld aus New York abziehen müssen, verliert Amerika seinen Schwung und Europa den sicher geglaubten Aufschwung.

Die Weltwirtschaft läßt sich nicht teilen. Ihre Akteure laufen Gefahr, sich im sogenannten Gefangenendilemma zu verstricken: Jeder kämpft für sich - und alle verlieren. Das muß nicht sein. Der Schlüssel zum globalen Miteinander liegt irgendwo zwischen Washington und Bonn.

Die Einwände kommen sofort: hier Wahlkampf, dort Sexkrampf, hier wie dort Ohnmacht. Dringlich ist ein Befreiungsschlag. Die Welt braucht gerade jetzt ein Signal, das nur Clinton, Kohl & Co geben können: Wir alle suchen energisch nach einem Weg aus der Krise, wir entwickeln allmählich eine globale Wirtschaftsordnung.