Zum Beispiel trage ich derzeit weiße Socken. Nein, nicht beim Tennisspielen, sondern unter der schwarzen Hose, auch abends. Und zwar richtig weiße, nicht irgend so etwas zwischen Beige und Eierschale. Knallweiße, sozusagen.

Aber natürlich weiß(!) auch ich, daß das absolut unmöglich ist, einfach nicht geht, lange schon. Ich mach' es auch nicht aus Trotz oder so, kann man nicht sagen. Und als Protest - mein Gott, ich bin ja nicht albern.

So etwas vergißt man nicht, nicht wirklich. Und also war das Gefühl sofort wieder da, als ich vor einigen Wochen hinten in einer Schranklade drei Paar fand, schneeweiß und nicht nur unversehrt, sondern ungetragen, mit ebenso weißem Faden unten zusammengenäht und mit der Papierbanderole oben beklammert. Es war zunächst ein Gefühl etwa so, als hätte ich meine alte Briefmarkensammlung doch noch wiedergefunden. Obendrein war es die Sorte leicht gerippt und dünnes Mako, die Sorte, die mir damals die liebste war.

Da stand ich also vor meinem Schrank, drei Paar Socken in der Hand, und hätte am liebsten geheult. Dann habe ich sie vorsichtig wieder zurückgelegt, so wie ich sie gefunden hatte, hab' die Lade zurückgeschoben und so getan, als sei nichts gewesen.

Ich hatte jetzt ein Geheimnis und wartete nur auf die richtige Gelegenheit, es der Welt preisgeben zu können.

Ich habe dem - na ja, nicht gerade entgegengefiebert, dummes Zeug, aber da war doch eine Vorfreude wie sonst nur, wenn ich meiner Frau etwas wirklich Besonderes schenke. Irgendwann, ziemlich rasch natürlich, wußte ich auch, daß es die richtige Gelegenheit gar nicht gibt. Ich habe einfach eines Morgens ein Paar angezogen, jedenfalls war es so lange irgendein Morgen, bis ich sie an den Füßen hatte. Von da an war, für Sekunden, alles ganz anders. Der Welt, das war klar, würden endlich die Augen aufgehen, sie würde das sozusagen Elementare, irgendwie schon sehr Feine und doch auch Mönchmäßige an mir unübersehbar wahrnehmen, würde auf einmal...

Das war's auch schon. Noch ein leichter Schauer, wie aus der Ferne, und dann hatte ich einfach nur noch weiße Socken an den Füßen. Und da blieben sie bis zum Abend. Den verbrachte ich in Gesellschaft, einer sogenannten Herrenrunde, lauter Grau- oder Schwarzbestrumpfter. Niemand hat etwas gesagt. Ich war stolz. Meine Socken und ich. Es war ein schöner Abend.