Auch wenn Genie und Wahnsinn bisweilen schwer zu unterscheiden sind, schien der Fall des Alexander Sahlin doch klar zu sein. "Alle haben mich für verrückt gehalten", erzählt der 38jährige Ingenieur, und dieses harsche Urteil war verständlich. Was sonst sollte man von einem Mann denken, der sich, und das im Herbst, immer wieder auf einem pflugähnlichen Gestell ins Stockholmer Ostseewasser stürzte? Es stimmte die Nachbarn nicht milder, daß Sahlin auf Befragen versicherte, seinen Berechnungen zufolge müßte dies seltsame Gebilde eigentlich schwimmen - wenn man nur kräftig genug darauf herumtrampelte.

Das war vor knapp elf Jahren. Inzwischen hat die Geschichte ihr Urteil über Alexander Sahlin gefällt - der Mann ist genial, ein moderner Lilienthal, der wie jener das Prinzip des Vogelfluges für eine völlig neue Art der Fortbewegung nutzbar gemacht hat. Beim Trampofoil, wie Sahlin seine Schöpfung taufte, schwingt ein schlanker Flügel unter der Oberfläche des Wassers auf und nieder. Angetrieben durch kräftige Hüpfbewegungen, entwickelt er in diesem dichten Medium genügend Kraft, um den Fahrer nicht nur über Wasser zu halten, sondern auch mit beachtlichem Tempo voranzutreiben.

Dabei taugt das neue Wasserfahrzeug womöglich nicht nur als Sportgerät. Ebenfalls in der vergangenen Woche stattete eine Delegation des schwedischen Verteidigungsministeriums Sahlins Firma einen Besuch ab, um das Gefährt zu erproben - offiziell im Rahmen eines Betriebsausfluges.

Alexander Sahlin ist ein großer Mann, der ruhig, fast schwerfällig wirkt. Nichts verrät die Besessenheit, mit der er seine Prototypen perfektionierte, sogar bei Frost und dünnem Eis, wie er erzählt. Als Ingenieur hat er Windkanäle und Ausrüstung fürs Schlittschuhsegeln konstruiert, als Sportler mehrmals die schwedische Meisterschaft in dieser Disziplin gewonnen und vom Flugzeug über den Katamaran bis zum Surfbrett so ziemlich alles gesegelt, was sich segeln läßt.

Die Idee für das Trampofoil gehe auf eine Berechnung zurück, erzählt er. Aus dem Schiffbau kenne man das Prinzip des Flossenantriebs; er habe ermitteln wollen, ob ein Mensch mit dieser Technik genügend Energie umsetzen könne, um sich selbst über Wasser zu halten - und, das war der kritische Punkt, ob sich durch kräftiges Abstoßen vom Steg eine ausreichende Anfangsgeschwindigkeit erzielen ließe. Theoretisch, stellte sich heraus, war beides möglich.

In der Praxis kam Sahlin zunächst nur wenige Meter weit - "Genausogut hätte ich einfach ins Wasser springen können". Das Wasser war eisig; der Erfinder erkältete sich und ließ seinen Prototyp fünf Jahre lang im Keller ruhen.

Mit einer verbesserten Version legte ein Freund im Oktober 1993 immerhin an die hundert Meter zurück. "Da wußte ich: Es wird funktionieren." Die letzten Jahre verwendete der Ingenieur, um seine Erfindung serienreif zu machen - und gründete ein Unternehmen, das inzwischen sechs Angestellte hat (im Internet zu finden unter www.trampofoil.se).