Die großen Parteien verkünden die heiße Phase des Wahlkampfs - und verlieren. Die Grünen schweigen stille - und gewinnen. Sehr deutlich sogar, kommen sie doch momentan auf fabelhafte 8,7 Prozentpunkte, während die CDU/CSU bei enttäuschenden 36 Prozent und die SPD bei schlappen 39,2 Prozent hält.

Eine überraschende Entwicklung der öffentlichen Stimmung, knapp fünf Wochen vor der Wahl. Festgestellt wurde sie jedoch nicht von einem der großen Meinungsforschungsinstitute, sondern von einem Prognoseinstrument ganz neuer Art: der "Wahl$treet", einer gemeinsam von der ZEIT und dem Tagesspiegel entwickelten Politikbörse im Internet.

Rund 3600 Händler haben sich bislang als Händler an der Wahl$treet eingetragen, und täglich kommen zwischen 100 und 200 neue hinzu. Auf dem Markt befinden sich insgesamt 1,5 Millionen Aktien, die selbstverständlich nicht alle und ununterbrochen gehandelt werden: Zwischen 20000 und 65000 Aktien wechseln pro Tag und Partei den Besitzer. Jedesmal ergibt sich ein neuer Kurs und damit ein neuer Wert, der den Wechsel der Wählergunst beschreibt. Denn was den Handel in Schwung hält, ist nicht die parteipolitische Präferenz des Händlers, sondern die Frage: Wie ist die Stimmung im Lande? Welche Partei bekommt wieviel Prozente? Wer etwa glaubt, daß die Grünen derzeit überschätzt werden, wird seine Papiere verkaufen - und dafür eines der vielleicht unterschätzten Großen kaufen.

Am deutlichsten gewonnen haben in den vergangenen vierzehn Tagen die Grünen, deren Kurs von 7,4 Prozent auf knapp 9 Prozent hochschoß. Mit der SPD ging es in der vergangenen Woche bergab (von 39,5 auf zwischenzeitlich 39,0) - eine Entwicklung, von der die CDU/CSU nicht im geringsten profitierte. Stabil entwickelt sich die FDP, deren Wiedereinzug in den Bundestag laut Wahl$treet völlig fraglos ist: Sie liegt stabil bei 6,1 Prozent. Ein wenig mehr Bewegung gibt es bei der PDS, deren Kurse um die 4,6 pendeln. Schwächer schlossen in den vergangenen Tagen stets die anderen Parteien. Aber, wie das ist mit Börsennachrichten: Im Moment, da man sie hinschreibt, sind sie schon wieder veraltet. Am besten, man begibt sich selbst aufs Parkett: www.wahlstreet.de