Männer müssen umdenken und mutiger werden." Diese Forderung stammt weder aus einem soziologischen Bestseller noch aus einem feministischen Traktat, sondern aus einem Pressetext der Bregenzer Strumpffirma Wolford. Die Österreicher wollen die Strumpfhose an den Mann bringen. Genauer gesagt: an seine Beine.

Befreit vom Mief kratzwollener Arbeiterbeinlinge und in feiner Baumwollmischung gearbeitet, soll sie bequem sein und wärmen, nicht nur beim Sport und in der Freizeit, sondern auch unter feinem Zwirn.

Noch sitzt die Abneigung gegen die Strumpfhose tief. Denn sie ist es, die dem Manne seit der Erfindung von "Nur die" den direkten Zugang zur weiblichen Intimsphäre versperrt. Und wie schmerzlich vermißt er am begehrten Körper die erotisierende Wirkung von Spitzenstrumpfhaltern und Seidenstrümpfen! Außerdem lebt immer noch das alte Klischee: Mann + Strumpfhose = Transvestit.

Die Österreicher sind überzeugt, mit ihrer Kampagne alle Hemmungen überwinden zu können. Vorbei die Zeit, da ein alpines Muskelgebirge wie Arnold Schwarzenegger zur Werbung taugte. Der Wolfordsche Anzeigenadonis trägt die Strumpfhose in Nurejew-Pose zu Markte. Die Physiognomie des Ballettänzers wird zum Ideal erhoben, sehnig und schlank, katzenhaft-geschmeidig, sprungstark und sehr erotisch. Spätestens Diaghilews "Ballets Russes" oder Tim Currys olympische Kür auf dem Eis haben die suspensoriumsverstärkte Trikotage zum sexuellen Fetisch erhoben.

Von Oktober an soll davon auch der betuchte Normalverbraucher profitieren können. Die blickdichte schwarze Strumpfhose läßt Fußballerwaden und biergenährte Hüften schlanker erscheinen. Gnädig verdeckt sie affenartige Behaarung und blaue Krampfadern. Die samtige Oberfläche imitiert jugendlich straffe Haut, die "perfekte Paßform" betont das Gemächte. Frauen werden Augen machen.

Das Abstreifen der feinen Maschen will allerdings gelernt sein. Wer es an gymnastischer Eleganz fehlen läßt, könnte sich lächerlich machen. Und steht der Wohlstandsbürger erst im Naturzustand da, erinnert sein Anblick womöglich weniger an Apoll als an Schweinchen Dick.