Johannisbeerzeit: Es gilt, den Drosseln zuvorzukommen. Etwas mühsam ist das Pflücken, mühsamer noch das Abstrippen der Früchte. Sagt man "abstrippen"?

Wir sagen strippen oder piddeln, obwohl piddeln (fränkisch-ripuarisch) eigentlich eine Tätigkeit meint, die man mit einem Finger (Nasebohren) oder mit zweien (Härchen auszupfen) verrichtet, während man doch fürs Strippen der Beeren mindestens drei Finger, besser noch: eine Gabel braucht

da könnte man auch von abkämmen sprechen - aber das klingt geziert. Hätte ich Zugang zum Internet, dann würde ich jetzt global herumfragen, wie man das Strippen oder Piddeln anderwärts nennt.

Früher mußten die Kinder piddeln. Aber heutzutage sind sie vollauf mit dem Internet beschäftigt und haben keine Zeit mehr. Hätte ich geeignete Enkel, dann würde ich sie ins Internet schicken, damit sie mir Wörter heranschaffen, während ich Johannisbeeren piddele.

Zahllosen Kindern ist mit solchen niederen Hilfsarbeiten die Freude an Garten und Ernte ausgetrieben worden. Aber, sagt die Gärtnerin, es konnte auch geschehen, daß die derart ausgebeuteten Kinder um so begieriger darauf wurden, einen eigenen Garten zu haben und darin auch anderes tun zu dürfen als Beeren zu strippen und Wege zu schaufeln.

Und wenn sie dann einen eigenen Garten haben, pflanzen sie zuerst einmal Bäume. Das ist klug, denn erstens brauchen Bäume lange, bis sie groß sind, und zweitens geben sie dem Garten eine Grundstruktur, nach der sich die weitere Bepflanzung richten kann.

Schade nur, daß die Bäume meistens zu eng gepflanzt werden, zu eng ans Haus und zu eng beeinander. Da beginnt schon nach ein paar Jahren das große Auslichten, mit herzzerreißenden Abschieden. Die Bäume werden ja schnell zu Gefährten, deren Lebensgang wir von Jahr zu Jahr verfolgen. So jemanden bringt man nicht gerne um.