die zeit: Herr Töpfer, Sie haben als Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) in Peking und in Shanghai mit chinesischen Politikern über die Hochwasser-Situation geredet. Welchen Eindruck haben Sie sich verschaffen können?

Klaus Töpfer: Ich habe unter anderem mit dem Umweltminister und mit dem Vize-Premier gesprochen. Dabei ist sehr deutlich geworden, daß für die Hochwasser-Katastrophe die extremen Wetterbedingungen eine Rolle spielen.

Aber genauso klar ist für die Verantwortlichen in China, daß ganz erhebliche Eingriffe des Menschen in die Natur das Ausmaß der Katastrophe verstärkt haben.

zeit: Welche Sünden an der Natur meinen Sie zum Beispiel?

Töpfer: Man hat mir hier gesagt, daß der Wasserpegel so hoch ist wie seit 200 Jahren nicht mehr, daß aber der Niederschlag keineswegs einem 200jährigen Extrem entspricht.

zeit: Woran liegt das?

Töpfer: Die Ablaufbedingungen im Flußsystem des Jangtse sind erheblich verändert worden, ebenso wie die Landnutzung. Dadurch hat die Erosion zugenommen, und die Flußsohle hat sich deutlich erhöht. Außerdem sind Feuchtgebiete trockengelegt worden, wodurch die Rückhaltekapazität geringer geworden ist. Und man hat die Waldflächen deutlich dezimiert.