die zeit: Seit 1996 leiten Sie an der Münchner Musikhochschule den Studiengang Komposition für Film und Fernsehen - was ist das Besondere?

Norbert J. Schneider: Diesen Studiengang gab es in Deutschland vorher gar nicht. Die Musikhochschulen haben sich lange dem Genre Filmmusik verschlossen. Momentan ist Crossover eine Zeitgeisterscheinung. U- und E-Musik mischen sich auf dem konkurrenzgebeutelten Tonträgermarkt. Die Filmmusik ist für die Klassikbranche ein Marktfaktor geworden und damit ein Lehrfaktor.

zeit: Wie sieht der Lehrplan aus?

Schneider: "Learning by doing." Über fünfzig Prozent des Wissens wird praxisorientiert an konkreten Projekten vermittelt. Ich arbeite mit den Studenten als gleichberechtigten Coautoren oder versuche, mir angebotene Projekte, wie im Moment ein ZDF-Melodram, eigenverantwortlich an meine Studenten weiterzugeben. Ein großes Projekt hatte Phillipp, der die Musik für "Cascadeur. Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer" schrieb. Annette machte mit mir die Musik zum aktuellen ARD-13-Teiler "Vater wider Willen" und Andreas die Musik zum Sat.1-Thriller "Sardsch".

zeit: Gibt's auch Theorie?

Schneider: Wir haben viele Seminare: Instrumentation, Musikdramaturgie, Satztechnik, Musikelektronik, Stilübungen, Werkstattgespräche mit anderen Komponisten.

zeit: Ist der Ansturm auf die Plätze groß?