Weihnachten und Neujahrsfest waren vorüber, doch der Kanzler kam reich beladen nach Moskau. Kredite in Höhe von vier Milliarden Mark brachte er im Februar 1996 als Wahlkampfspende für seinen Freund Boris Jelzin mit.

Schüchtern fragte ein Moskauer Korrespondent Kohls außenpolitischen Berater Joachim Bitterlich, ob sich die westlichen Kredite nicht eines Tages als kontraproduktiv erweisen könnten. Bitterlich schnitt ihm das Wort ab: "Haben Sie überhaupt Volkswirtschaft studiert?"

Zweieinhalb Jahre später darf die Frage an die westlichen Geldgeber gestellt werden. Nun kanzeln sie sich gegenseitig ab. In einem einzigen Interview machte Stanley Fischer, stellvertretender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Anfang dieser Woche gleich fünf Verursacher der russischen Schuldenkatastrophe aus:

Der Finanzspekulant George Soros habe die Abwertung des Rubel heraufbeschworen. Die G-7-Länder seien Rußland nicht zu Hilfe gekommen.

Helmut Kohl habe sich wegen der Wahlen bedeckt gehalten. Bill Clinton sei aus bekannten Gründen seiner Führungspotenz verlustig gegangen. Und die russische Notenbank - die sich mit ihrer rigiden Geldpolitik bisher brav am IWF orientierte - hätte, man höre und staune, "etwas mehr Flexibilität walten lassen können".

Armer Währungsfonds: Von allen Freunden im Stich gelassen, konnte auch er Rußland nicht mehr "unter die Arme greifen".

Das Märchen von Fischer und seinem IWF ist zu schön, um wahr zu sein. In Wirklichkeit hat sich Boris Jelzin in all seiner taktischen Schläue und strategischen Unfähigkeit von Anfang an nicht übermäßig selbstlose Freunde gesucht - vor allem den Währungsfonds.