Ein Heldenempfang ist es nicht. Fünfzig, sechzig Leute haben sich Donnerstag der vergangenen Woche auf der Hafenmole von Townsville im nordaustralischen Queensland eingefunden. Sie halten an Bändseln gebundene Gasballons, die ihnen die umtriebige Besitzerin eines örtlichen Ladens für Parties und Hochzeiten in die Hand gedrückt hat. Es ist fast dunkel, als das Kriegsschiff Endeavour an der Mole vorbeigleitet. Die Ballons verschwinden im Nachthimmel. Steve Fossett steht neben den Offizieren auf der Brücke und lächelt unsicher.

Drei Tage zuvor war Fossett 500 Seemeilen südöstlich von Townsville mitten in der Nacht aus dem Himmel zur Erde gestürzt. Er flog 8550 Meter über dem Meer seinem Ehrgeiz hinterher, als erster Mensch in einem Heißluftballon die Welt zu umrunden. Über dem Belonariff in der Coral Sea geriet er in einen wüsten Gewittersturm. Zehn Minuten später löste das Piepsen seiner Notrufboje eine internationale Rettungsaktion aus. Als ein in Neukaledonien stationiertes französisches Militärflugzeug ihn am nächsten Tag fand, stand Dädalus winkend in seinem Rettungsfloß. Er hatte den Sturz aus der Höhe des Mount Everest offensichtlich unversehrt überstanden.

"Dumme Millionärsspiele", murren viele Leute in Townsville. Und: "Der soll sich was schämen, mit all dem Geld, das er hat, und wir müssen mit unseren Steuern dafür zahlen, daß er aus dem Wasser gefischt wird."

Um Viertel vor sieben Uhr macht die Endeavour an ihrem Liegeplatz fest, neben einem grauen Lagerschuppen aus Wellblech, zwischen einem Containerschiff auf der einen und einem Düngemitteldampfer auf der anderen Seite. Die Tristesse eines Provinzhafens. Das Empfangskomitee besteht aus der Besitzerin des Partyladens, zwei ballonschwenkenden, von der lokalen Radiostation angeheuerten Damen, einem Dutzend Fernsehteams und dem Werbestand einer Brauerei. Einmal gelingt es den Ballonschwenkerinnen mit viel Gekreisch, Steve Fossett zu einem Heldenwinken für die Kameras zu bewegen.

Auf dem Achterdeck der Endeavour gibt der angeschlagene Held eine improvisierte Audienz. Das unsichere Lächeln will nicht aus seinen Zügen weichen. Er sagt, der Sturz aus dem Himmel sei eine "ernüchternde Erfahrung" gewesen. Sichtbare Blessuren hat er nicht davongetragen.

Fossett ist ein hartgesottener, aus amerikanischem Holz geschnitzter Abenteurer. Er machte als Börsenmakler in Chicago ein Vermögen. Vor vierzehn Jahren, er ging auf die Vierzig zu, flüchtete er sich vor der Midlifecrisis in virile Selbstbestätigung.