Bewaffneter Raubüberfall lautet die Anklage vor dem Schöffengericht Hamburg.

Im November 1997 soll der zwanzigjährige Michele De T. gemeinsam mit einem unbekannten Kumpan den Reisenden Heinz M. nachts am Hauptbahnhof bedroht und ausgeraubt haben.

Schon 1995 hatte Michele seine Familie in Italien verlassen und war nach Deutschland gekommen. Er habe die Welt kennenlernen wollen, sagt lachend der schwarzhaarige Junge in dem seidenglänzenden Jogginganzug.

In Hamburg hat Michele bei einem "Padrone" in einer Pizzeria gearbeitet

was er kennenlernte, war die Welt der Stricher und der Rauschgiftsüchtigen. Zur Tatzeit lebte er bereits in einer Wohnung der Drogenhilfe. Sein tägliches Taschengeld von nicht einmal zehn Mark dürfte damals kaum für den Rauschgiftkonsum ausgereicht haben. "Zwei bis vier Gramm hab' ich am Tag schon gebraucht."

Durchaus denkbar, daß die Polizei mit Michele kein Unschuldslamm verhaftet hat, doch im konkreten Fall ist die Beweislage dünn. Von seinem Opfer wurde Michele nur auf einer sogenannten Lichtbildvorlage erkannt, aber so recht entspricht er nicht der ursprünglichen Täterbeschreibung. "Ich hab' doch noch nie langes Haar getragen", protestiert der Angeklagte.

Obwohl Heinz M. den vermeintlichen Täter auch später nicht persönlich identifiziert hat, sitzt Michele De T. seit März in Untersuchungshaft.