Als vor zwei Jahren Philip Kitchers Buch "The Lives to Come" in den USA erschien, löste es sogleich eine heftige Diskussion aus. Denn Kitcher kommt, nachdem er die gegenwärtigen und zukünftigen Möglichkeiten der Gentechnik beschrieben hat, zu dem provozierenden Schluß, in Zukunft werde eine Form "utopischer Eugenik" unausweichlich sein. "Unsere Aufgabe muß sein, herauszufinden, wie wir unter den möglichen Optionen die sichersten finden", schrieb der kalifornische Wissenschaftsphilosoph, der auf Einladung des amerikanischen Kongresses ein Jahr lang das Human Genome Project beobachtet hatte und die Szene bestens kennt.

Kitchers provozierende Thesen sorgten allerdings nur jenseits des Atlantiks für Furore. Deutsche Verlage schreckten vor dem brisanten Stoff zunächst zurück. Erst ein ZEIT-Artikel machte auch hierzulande auf das informative und anschauliche Buch aufmerksam: Der Luchterhand Verlag sicherte sich die Rechte und bringt es nun unter dem Titel "Genetik und Ethik" (480 S., 48,- DM) auf deutsch heraus. Zur Debatte um die Humangenetik gibt es kaum Kundigeres.