Noch "im Sommer", so war sein Wunsch, wollte Verkehrsminister Matthias Wissmann den ersten Spatenstich für die Transrapid-Strecke zwischen Berlin und Hamburg zelebrieren und so Werbung für seine CDU und den Standort Deutschland machen. Doch nachdem erst Anfang August das deutsche Vorzeigeprojekt in Australien gegen den französischen TGV unterlag, sinken jetzt auch hierzulande die Chancen für den Magnet-Schwebezug. Denn immer noch ist das Vertragswerk zwischen dem Bund, der Bahn als potentieller Betreiberin und dem Hersteller-Konsortium (vor allem Siemens, Thyssen und Adtranz) nicht unterschrieben.

Neuralgischer Punkt bei den zähen Verhandlungen ist die Risikoverteilung.

Ursprünglich wollten die privaten Konzerne den täglichen Betrieb des High-Tech-Zugs "ohne jegliche staatliche Absicherung" übernehmen. Nachdem auf Druck Wissmanns die Bahn - und damit letztlich der Eigentümer Bund - dieses Risiko zu tragen hat, muß die Industrie lediglich die Züge finanzieren und per Mietvertrag bereitstellen. Darüber hinaus sollen die großen Unternehmen aber "für die technische Machbarkeit und zeitliche Verfügbarkeit des Gesamtsystems" geradestehen. Um die beträchtlichen Kosten eines längeren Betriebsausfalls will sich das Hersteller-Konsortium nun jedoch auch noch drücken. Nach dem Wunsch der Industriemanager soll die Haftung im Falle einer betrieblichen Störung der noch nie in der Praxis erprobten Technik auf wenige Tage begrenzt werden. Die Bahn zeigt sich bisher nicht geneigt, der Industrie noch einmal entgegenzukommen. Sie steht am wenigsten von allen Beteiligten unter Zeitdruck.