Wenn das Bonner Kunstmuseum einem Fernsehsender gehörte, dann wäre es längst abgeschoben worden ins Nachtprogramm. Oder man hätte ihm einen neuen Moderator verpaßt, zumindest aber eine andere Studiodekoration - was man halt so macht, wenn sich die Einschaltquote halbiert. 1993 lebte das Museum noch vom Glanz des Neubaus, den es im Jahr zuvor bezogen hatte, damals kamen über 200 000 Besucher 1997 nur noch 100 000. Doch nicht allein die Quote, auch die Kasse stimmt nicht mehr: Mit den Besuchern schwanden die Eintrittsgelder, und zeitgleich kürzte die Stadt den Etat des Museums. Bekam es 1992 noch 1,25 Millionen Mark, um Ausstellungen zu organisieren, so sind es 1998 nur 550 000.

Noch schlimmer kommt es im nächsten Jahr, wenn die Stadt sich selbst überlassen bleibt, weil Regierung und Parlament nach Berlin ziehen. Dann wird das Ausstellungsbudget des Kunstmuseums, das zu siebzig Prozent der Bund finanziert, wohl weiter schrumpfen. Es sei denn, die Kultur inszeniert den großen Knall, und Bonn zeigt, daß es das viele Geld braucht, weil es mehr kann als Berlin und München.

Dieter Ronte ist zu diesem Knall entschlossen. Der Direktor des Kunstmuseums will den Niedergang seines Hauses aufhalten, und weil die öffentliche Hand ihn kaum noch hält, greift er nach der privaten. Durch eine public private partnership, wie sie die deutsche Museumslandschaft bisher nicht kannte, soll in Bonn der große Wurf gelingen: eine Spektakelschau zum Spektakeljahr 2000.

Geplant ist eine Ausstellung namens "Zeitwenden", in der im Rückblick die Kulturgeschichte vom Neandertaler bis zu Joseph Beuys nacherzählt wird und ein Ausblick die hoffnungsvollsten Kunsttalente vorführen soll.

Die Idee für das ehrgeizige Projekt mit einem Budget von fast 7,5 Millionen Mark kommt nicht aus dem Museum, sondern von einem kleinen Verein mit 44 Mitgliedern, der sich Stiftung für Kunst und Kultur e. V. nennt. Bereits mehrmals hat diese private Vereinigung Bonner Bürger ungewöhnliche Konzepte für Ausstellungen hervorgebracht, die das Kunstmuseum gerne in seinen Räumen zeigte - weil Sponsorengelder und Werbung gleich mitgeliefert wurden.

Direktor Ronte durfte es sich bequem machen: Der Verein koordinierte für ihn die staatlichen Zuschüsse, übernahm die Pressearbeit und die Erstellung des Katalogs.

Selbst bei dem nun anstehenden Großprojekt der "Zeitwenden" bietet der Kulturverein ein Komplettpaket an und übernimmt das Risiko für 4,95 Millionen Mark, die über Sponsoren, Eintrittsgelder und Katalogverkäufe eingespielt werden sollen. Den Rest schießen öffentliche Einrichtungen wie die Stadt und das Land zu das Museum beteiligt sich nur mit einer halben Million.