Ein Milliardendeal voller Geheimnisse in der Luftfahrtbranche: Der Flugriese und Boeing-Stammkunde British Airways bestellt 188 Regional-Flugzeuge beim europäischen Hersteller-Konsortium Airbus aus Daimler-Benz, Aerospatiale, British Aerospace und der spanischen Casa. Lange Gesichter bei Boeing in Seattle, dafür Jubel und viel Publicity bei Airbus in Toulouse. Schließlich sind an dem Zusammenbau des europäischen Gemeinschaftsflugzeuges 130 000 Menschen beteiligt. Doch es will keiner mit den Konditionen des Großauftrages herausrücken. Der von Airbus zitierte Listenpreis von neun Milliarden Dollar ist jedenfalls ein denkbar schlechter Anhaltspunkt.

Wie viele Flugzeuge geleast und wie viele gekauft werden, steht bisher nicht fest - bei BA ist nur von "Bestellungen" die Rede. 59 Flugzeuge sind "fest" bestellt, 129 weitere "gesichert". Tiefes Schweigen herrscht bei beiden Parteien zu den Rabatten, die bei vergangenen Flugzeugkäufen schon mal um zwanzig Prozent lagen. Augenzwinkernd wird allerdings bei British Airways zugestanden, daß man bei Aufträgen dieser Größenordnung auch mit einem großzügigeren Entgegenkommen rechne. Nur eins bestreiten Airbus-Sprecher und der BA-Geschäftsführer Robert Ayling energisch: daß irgendwelche politischen Zugeständnisse herausgehandelt wurden. "Wir können es uns nicht leisten, Flugzeug-Aufträge nach politischen Kriterien zu vergeben", sagte Ayling der BBC.

Der britische Regierungschef Tony Blair unterbrach extra seinen Frankreich-Urlaub, fuhr zur offiziellen Bekanntgabe des Deals nach Toulouse und pries die "Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit". Er habe aber "eh kommen" wollen, heißt es bei Airbus. Und daß die EU-Kommission den Briten kürzlich bei ihren Allianzplänen mit American Airlines entgegenkam, war angeblich ebenfalls ohne Bedeutung.