Die Dosenlawine rollt. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg der Anteil der 0,5-Liter-Dose bundesweit erneut um 10,6 Prozent, hat der Verband der Mittelständischen Privatbrauereien ausrechnen lassen. "Nach meiner Rechnung ergibt der Dosenbierabsatz in Deutschland aneinandergestellt eine Kette, die sechseinhalbmal um die Erde reicht", erklärt der Geschäftsführer des Verbandes, Roland Demleitner.

In Bayern, dem brauereienreichsten Land der Welt, sind von den knapp 1600 Brauereien, die es noch 1960 gab, nur gut 600 übriggeblieben. Eine erhebliche Mitschuld an diesem Schwund geben die Brauer der Dose. Deren Absatz hat sich seit Einführung der Verpackungsverordnung im Jahr 1991 fast verfünffacht.

Der Mittelstandsbrauer Herbert Zötler aus Deutschlands südlichstem Bierdorf Rettenberg im Allgäu beschwert sich darüber, daß weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit das Paragraphenwerk aufgeweicht worden sei. Der Versicherung des Bonner Umweltministeriums, daß trotzdem das Zwangspfand von fünfzig Pfennig käme, sollte die Mehrwegquote von 72 Prozent unterschritten werden, will in der Zunft der Brauer nun niemand mehr recht glauben. Der Chef der Augsburger Riegele-Brauerei, Sebastian Priller, fragt provokativ: "Ob es vielleicht daran liegt, daß der Staat beim größten Dosenhersteller der Republik, dem Viag-Konzern, mit 25 Prozent beteiligt ist?"