"Der Hamster ärgert den Landwirt nicht nur durch seine Grabtätigkeit auf den Feldern, sondern auch durch das Abbeißen von Pflanzenteilen, durch das er seine bis zu fünfzehn Zentimeter breiten Wechsel freihält", heißt es noch in "Grzimeks Tierleben". Mais werde "oft durch Scharen von Hamstern aus den benachbarten Feldern bis zum Verlust des letzten Kolbens geschädigt".

Inzwischen steht der Feldhamster Cricetus cricetus als stark gefährdet auf der Roten Liste und wird gegen Großprojekte in Stellung gebracht: Zwischen Aachen und Heerlen liegt der Bau eines deutsch-niederländischen Gewerbegebietes auf Eis (Investition über 100 Millionen Mark). Und in Göttingen wurde der Neubau eines biologischen Forschungszentrums (50 Millionen Mark) gestoppt, weil auf der vorgesehenen Zufahrt eine Hamsterkolonie lebt. Naturschützer drohen, bei Weiterbau der Zufahrt werde geklagt.

Die Hamsterfreunde ärgern sich zu Recht darüber, daß bei den Planungen ökologische Aspekte zuwenig berücksichtigt wurden. Aber sie wissen auch, daß der Kampf ums Überleben der Nager auf Dauer so nicht zu gewinnen ist - weder juristisch noch ökologisch. Zwar schützt das Recht die Hamster vor direktem Zugriff durch Jagd. Doch ihr Lebensraum ist nicht geschützt, nämlich ausgerechnet ertragreiche Äcker mit guten Böden.

Feldhamster sind weitgehend Kulturfolger, ohne Felder kaum Hamster. Wer sie als possierliche Bereicherung retten möchte, muß sich an die Landwirte wenden, denn die bestimmen ihr Schicksal und nicht einige Großprojekte. Doch die Bauern werden den Schädling von einst nur dann akzeptieren, wenn sie dafür entschädigt werden.

Die Zeiten sind vorbei, da sich mit dem Widerstand gegen Großprojekte 25 Millionen Mark loseisen ließen wie für den Schutz der Großtrappen an der ICE-Neubaustrecke Hannover-Berlin. Auch das Konzept der Roten Listen stößt an seine Grenzen, da sich bei intensiver Suche fast immer ein gefährdetes Pflänzchen oder Tierchen entdecken läßt, um Bauprojekte auszubremsen, sei es der Hamster oder der Wachtelkönig. Statt Anwälte, Gutachter und Gerichte zu beschäftigen und lokalen Artenschutz zu fördern, der wenig bringt, sollten die Naturschützer ihr Augenmerk auf die wahren Probleme lenken - und die liegen in der Land- und Forstwirtschaft. Die Bauern sollten "Schädlinge" wie Hamster, Biber, Adler, Krähen oder Graureiher akzeptieren lernen. Und wir alle, die wir uns an der Artenvielfalt erfreuen, ihnen den Mehraufwand für die Naturpflege bezahlen. Die Debatte, welche Natur wir haben wollen, die ursprünglich-wilde, die kultiviert-vielfältige oder die wirtschaftlich optimierte, könnte dann endlich konkreter werden.