Keine Frage, die Bundeswehr muß sparen. Der Verteidigungsetat sank seit 1989 von 53 auf 46,7 Milliarden Mark. Seither wurde weniger investiert. Doch die Betriebskosten blieben weitgehend unangetastet: Ihr Verhältnis zu den Investitionen betrug ursprünglich 65 zu 35 - und hat sich inzwischen auf rund 80 zu 20 dramatisch verschlechtert. Weil der Betrieb zuviel kostet, ist der Spielraum für neue Beschaffungen so eingeengt, daß die Truppe bereits "Kannibalismus" betreibt: Damit wenigstens ein Teil des Materials einsatzbereit bleibt, wird ein anderer ausgeschlachtet. Das braucht zwar nicht weiter zu beunruhigen, weil die Bedrohungslage gen Null tendiert. Aber angesichts der knappen Verteidigungsmittel ist die Verschwendung von Steuermitteln bei den Betriebskosten geradezu sträflich.

Schon vor gut vier Jahren hatten der damalige Brigadegeneral Lorenz Huber und seine Arbeitsgruppe "Aufwandsbegrenzung im Betrieb" in einer Studie präzise dokumentiert, daß die Bundeswehr viel Geld sparen könnte, wenn sie einen Teil ihres laufenden Betriebs nicht mehr in eigener Regie erledigt. Hubers preiswertere Alternative: Privatisierung und Outsourcing. Nachdem er die Betriebsführung in amerikanischen wie britischen Streitkräften studiert hatte, wußte er, daß sich deren Methode des "Market Testing" bei der Kostensenkung bewährt.

Kaum war die Studie publik geworden, reichte Lorenz Huber seinen Rücktritt unter Umständen ein, die den FDP-Wehrexperten Nolting zu der Bemerkung veranlaßten, auf der Hardthöhe "nehmen offensichtlich die falschen Herren ihren Hut". Huber bekam zwar einen Nachfolger, der sich weiter um die Begrenzung des Truppenaufwands kümmerte, um Privatisierung und Outsourcing wurde es jedoch still.

Würde die Bundeswehr die in eigener Regie betriebene Wartung und Instandhaltung des Materials öffentlich ausschreiben, wären erhebliche Rationalisierungseffekte zu erwarten. Ein eklatantes Beispiel: Die in Bonn ansässige Materialdepot Service Gesellschaft (MDSG), für logistische Aufgaben prädestiniert, hat dem Verteidigungsministerium gegenüber belegt, daß sie bei der Bewirtschaftung eines Munitionshauptdepots mit Personalkosten von 1,4 Millionen Mark auskommen könnte. Die Bundeswehr hingegen benötigt dafür 6,1 Millionen Mark pro Jahr.

Die MDSG ist nicht irgendwer. Als ehemals bundeseigene Firma hat sie das NVA-Material der alten DDR erfolgreich abgewickelt und sogar 200 Millionen Mark gegenüber dem Planziel eingespart. Seit der Bund die Firma an die Buck System GmbH verkauft hat, läßt das Verteidigungsministerium das Unternehmen jedoch links liegen. So ist die MDSG beim Ausschreibungswettbewerb um den Betrieb des Bundeswehrdepots Rheine leer ausgegangen, obwohl ihr Angebot deutlich günstiger lag als das der Bundeswehr, die intern mitgeboten hatte.

Insider des Verfahrens berichten, daß die Truppe bei ihrem Angebot getrickst und wenig plausible Vorgaben gemacht habe, nur um das private Angebot aus dem Feld zu schlagen.

Häufiges Argument der Bundeswehr ist, private Anbieter seien nicht in der Lage, das "operative Minimum" im Ernstfall zu garantieren. Das klingt zunächst einleuchtend. Wie soll schließlich ein Munitionsdepot oder Waffenlager den Nachschub organisieren, wenn das Zivilpersonal beim ersten Schuß das Weite sucht? MDSG-Geschäftsführer Kieschoweit belegt jedoch, daß die jederzeitig verfügbare Personalstärke vertraglich zugesichert werden kann. Die USA hätten ihr Material sogar im Golfkrieg privat warten lassen.