Für die deutschen Tochterbanken in Moskau und St. Petersburg hat die Krise in Rußland auch ihre angenehmen Seiten. Ein Großteil der russischen Konkurrenz ist faktisch bankrott, und immer mehr Unternehmen wollen deshalb bei renommierten ausländischen Banken Konten eröffnen. "Wir haben Anfragen", sagt Hubert Pandza, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank in Moskau.

Für die deutsche Wirtschaft insgesamt bedeutet die Rußlandkrise jedoch nichts Gutes. Betroffen sind nicht nur Geschäftsbanken, Exporteure und Investoren, sondern vor allem die deutschen Steuerzahler. Knapp 55 Milliarden Mark haben deutsche Geschäftsbanken bis Ende 1997 an den russischen Staat, die Banken und Unternehmen verliehen. Da aber der Bund - und damit letztlich der Steuerzahler - für fast 20 Milliarden Mark im schlimmsten Fall einspringt, ist das verbleibende Risiko für die deutschen Banken relativ gering. Die Deutsche Bank beispielsweise hat gerade mal 1,35 Milliarden Mark ungedeckter Kredite in den Bilanzen - bei einem Kreditvolumen von mehr als 500 Milliarden Mark weltweit.

Keine deutsche Großbank wird wegen ihrer Geschäfte mit Rußland in die Verlustzone rutschen, und Arbeitsplätze sind nur in wenigen Unternehmen in Gefahr. Aber auch das Haushaltsdefizit des Bundes wird sich nur geringfügig erhöhen, solange Rußland den Schuldendienst nicht vollständig und dauerhaft aufkündigt.

Die meisten deutschen Exporteure machen sich wegen der Wirtschaftskrise in Rußland und der starken Abwertung des Rubels ebenfalls wenig Sorgen. Die Ausfuhren in den größten Flächenstaat der Welt machen nicht einmal zwei Prozent der Gesamtexporte aus. "Wir sollten aber nicht nur die möglichen Einbußen sehen, die eine anhaltende Rezession in Rußland mit sich bringt", meint Peter Danylow vom Ostausschuß der Deutschen Wirtschaft, "auf Dauer bleibt ein enormes Wachstumspotential ungenutzt."

Vor allem der Handel mit Rußland hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. 1997 stieg die Ausfuhr deutscher Waren nach Rußland gegenüber dem Vorjahr um rund 43 Prozent. Für Rußland ist Deutschland der wichtigste Handelspartner. Profitiert haben vor allem deutsche Maschinenbauer, Nahrungsmittel- und Autohersteller. Aus Rußland werden vor allem Rohstoffe nach Deutschland eingeführt. Mehr als jeder dritte Kubikmeter Erdgas, der in deutschen Haushalten verheizt wird, stammt aus Rußland.

Die Auswirkungen der russischen Krise auf die exportabhängige deutsche Wirtschaft drohen sich dann zu verschlimmern, wenn andere osteuropäische Länder in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. Steigende Realzinsen und Währungsabwertungen würden die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Region schwächen. Und die deutsche Wirtschaft käme in Schwierigkeiten. Noch wächst das Geschäft mit dem ehemaligen Ostblock beträchtlich und macht inzwischen zehn Prozent des gesamten deutschen Außenhandels aus. Sollten diese Wachstumsmärkte einbrechen, stünde der deutschen Wirtschaft nach dem Südostasien-Schock ein weiteres Fiasko bevor.