Was für ein dynamischer Wahlkampf. Wenn die Prophetinnen vom Bodensee recht hätten, dann stünde uns eine "spannende Wahl" ins Haus, und obendrein läge noch ein Gewitter in der Luft. So jedenfalls schrieben es kürzlich in der FAZ die führenden Demoskopinnen aus Allensbach, Renate Köcher und Elisabeth Noelle-Neumann.

Die Sache mit der Dynamik ist so: Wo sie fehlt, muß man sie machen. Wo einem Wahlkampf, der schon entschieden scheint, das berühmte momentum abgeht, muß man sich eben etwas einfallen lassen, um die neue Bewegung zu erzeugen. Im Fall des Kanzlers mit dem schier hoffnungslosen Rückstand gegenüber dem Kanzlerkandidaten hieß das, aus dieser Not eine Tugend zu machen. Das bescherte uns, Halali!, die Aufholjagd.

Sie zu inszenieren fällt nicht schwer. Von den Traumwerten der Vorwahlzeit mußten Schröder und die SPD ohnehin runter. Im Sommer war es soweit, der Abstand zwischen dem SPD-Hoch und dem CDU-Tief verringerte sich.

Normalisierung oder Trendwechsel? Geht es nach den Allensbach-Umfragen, die nun jeden Mittwoch in der FAZ von der Aufholjagd künden, dann ist die Antwort klar: Aufbruch zur Trendwende. Am Anfang (12. August) stand ein sensationell niedriger CDU-Wert (33 Prozent, SPD: 43,8), die Dynamik war absehbar. Prompt folgten 34,5 (42,9), in dieser Woche sind es 35,2 (42,7). Fürwahr, eine verwegene Jagd.

Die anderen, die davon offenbar nichts merken, sind alles Gegner, von der Forschungsgruppe Wahlen bis Emnid, und Forsa sowieso. Seit Wochen sehen sie die SPD bei 42 bis 43 Prozent, die CDU bei 37 bis 38. Dieser Abstand wird sich voraussichtlich noch verringern. Von Dynamik und Aufholjagd aber ist keine Spur.

Dafür orakelt Elisabeth Noelle-Neumann, berühmt für ihre lyrischen Fragestellungen, die Hälfte der Deutschen glaube, ein Gewitter liegt in der Luft. Oh, was mag das bedeuten? Vielleicht nichts. Die Dame vom See fragt: "Was ist das für ein Blitz, der da in der Luft liegt?" Egal, wenn er nur bald einschlägt.