Wenn es um hundert Mark für eine durchtanzte Nacht in der Disco geht, zücken Urlauber bereitwillig die Brieftasche. Heikel wird es, wenn eine Insel wie Mallorca plant, bei jedem Urlauber eine Umweltsteuer von tausend Peseten, umgerechnet zwölf Mark, einzutreiben. Mit den Einnahmen, so hatte der Wirtschaftsminister der Balearen, Miguel Ramis, erklärt, sollen eine neue Müllverbrennungsanlage gebaut und weitere Naturschutzgebiete geschaffen werden.

Politiker und Tourismusunternehmer beeilten sich aber, Ramis' Vorstoß die Spitze zu nehmen. "Die Ökosteuer für Urlauber wird nicht kommen. Dafür gibt es in den Parlamenten keine Mehrheit", versichert der Abgeordnete Eduardo Gamero Mir, der die Balearen in Madrid vertritt. Der Chef des Unternehmerverbandes Foment del Turisme, Miquel Vicens Ferrer, bezeichnet die Abgabe als "Volksverdummung".

Ferrer bezweifelt auch, daß der Flughafen in Palma, wo es für Touristen aus den Schengenstaaten bei der Ankunft keine Kontrollpunkte mehr gibt, bei bis zu 6000 Neuankömmlingen pro Stunde das Inkasso übernehmen könnte. Und Mallorcas Hotellerie kündigte vorsorglich gerichtliche Schritte an, falls die Eintreibung einer Ökosteuer an ihr hängenbleibt.

Gelöst werden Mallorcas Probleme mit einem schlichten Nein allerdings nicht.

Infrastruktur und Ressourcen sind dem Ansturm der jährlich 8 Millionen Touristen vor allem während der Hochsaison nicht mehr gewachsen. Wenn, wie im August, fast alle 700 000 Betten rund um Palma belegt sind, müssen Abfälle zwischengelagert werden, weil die Verbrennungsanlage die anfallenden Mengen nicht schafft.

Ein zweiter Verbrennungsofen, die Meerwasserentsalzung zur Lösung des Trinkwasserproblems und ein Stromkabel zum Festland kosten Hunderte von Millionen Mark. Doch obwohl der Tourismus Mallorca reich machte, "haben die Gemeinden kein Geld", sagt der Politiker Gamero Mir. Er bringt zur Finanzierung der dringend notwendigen Maßnahmen dann auch die EU ins Gespräch.

Allerdings fragt sich selbst der Tourismuslobbyist Ferrer, ob eine Anwendung des Verursacherprinzips nicht der bessere Ausweg sei als das Schielen auf EU-Subventionstöpfe: So sei beispielsweise das Trinkwasser "unverschämt billig". Außerdem kritisierte Ferrer, daß sich auf Mallorca zwar rund 50 000 deutsche Staatsbürger niedergelassen hätten, aber nicht einmal ein Drittel von ihnen dort gemeldet sei und zur Einkommensteuer veranlagt werde.